Jenseits der offiziellen US-Arbeitsmarktdaten

Chart of the Week

Wie hoch dürfte die versteckte US-Arbeitslosenquote inzwischen sein? Wir versuchen, die jüngsten Arbeitsmarktdaten ins rechte Licht zu rücken.

Vor zwei Wochen fragten wir an dieser Stelle: "Wie hoch könnte die Arbeitslosigkeit durch die Coronavirus-Pandemie in den USA steigen?" Leider bleibt das sich abzeichnende Bild düster. "Die offiziellen Daten spiegeln die dramatische Situation auf dem US-Arbeitsmarkt vorerst nur teilweise wider", erklärt Christian Scherrmann, US Economist bei der DWS.

Nehmen wir etwa den Märzbericht zur Lage am Arbeitsmarkt, den das U.S. Bureau of Labor Statistics (BLS) letzte Woche veröffentlicht hat. Viele der zugrundeliegenden Befragungen fanden statt, als die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie gerade erst anliefen. Dazu kamen neue, missverständliche Richtlinien für diese Befragungen. Das scheint für Verwirrung unter  Interviewern und Befragten gleichermaßen gesorgt zu haben, wie das BLS selbst einräumt.[1] Die Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent im Februar dürfte jedenfalls auf deutlich mehr als die berichteten 4,4 Prozent im März angestiegen sein. Die entscheidende Frage ist, um wie viel.

Unser "Chart of the Week" versucht eine erste Antwort. Dabei berücksichtigen wir sowohl mögliche Messfehler als auch andere Datenquellen. In der Woche zum 28. März hat sich etwa die Zahl der US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fast verdoppelt. Insgesamt haben innerhalb dieser zwei Wochen fast 10 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verloren.[2] Das, plus diverse Messfehler deuten bereits auf eine versteckte Arbeitslosenquote von gut 11 Prozent hin. Zum Vergleich: in der letzten Krise erreichte die Zahl der Arbeitslosen in den USA im Oktober 2009 einen Höchststand von 10 Prozent. Nun hängen die offiziellen Arbeitslosenzahlen natürlich von einer ganzen Reihe von Faktoren ab, einschließlich methodischer Entscheidungen durch Regierungsstatistiker. Die interessantere Frage ist, wie es am US-Arbeitsmarkt tatsächlich weiter geht.

Grundsätzlich könnte die Erholung ebenfalls deutlich ausfallen, falls der Coronavirus-Schock nur von kurzer Dauer bleibt. Es gibt jedoch zwei wichtige Vorbehalte. Erstens ist der US-Arbeitsmarkt tendenziell ein nachlaufender Indikator. Und es könnte noch eine Weile dauern, bis die US-Wirtschaft wieder Fuß fasst, da sich die Pandemie weiter ausbreitet. Zweitens gehen die jüngsten Arbeitsplatzverluste weit über so offensichtliche Branchen wie Freizeit und Gastronomie hinaus. Dies deutet auf strukturelle Faktoren hin, was eher für eine langsame Erholung spricht. Die Chancen, dass die offizielle US-Arbeitslosenquote rasch wieder unter 4 Prozent fällt, werden immer geringer.

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* Veränderung gegenüber dem Februarbericht. Angepasst bezüglich möglicher Messfehler
** Schätzung
Quellen: Bureau of Labor Statistics, Haver Analytics, DWS Investment GmbH; Stand: 07.04.2020

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