13. Aug 2021 Zinsen

US-Leitzinserwartungen: wer folgt hier wem?

Die Märkte halten sich erstaunlich nah an den Leitzinsprognosen der Fed-Mitglieder auf lange Sicht. Ein Abverkauf 10-jähriger Treasuries ist daraus nicht ersichtlich.

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Der langjährige Präsident der US-Federal Reserve, Alan Greenspan, sprach 2005 im Zusammenhang mit dem niedrigen Renditeniveau 10-jähriger Staatsanleihen trotz vorangegangener Leitzinserhöhung um 150 Basispunkte von einem Conundrum, also einem Rätsel.

Auch heute stellen sich wieder einige die Frage:

Agiert der Markt irrational, wenn die Renditen 10-jähriger Treasuries bei 1,3% stehen, trotz starken Aufschwungs?



Mancher Analyst mag nun auf die massiven Anleihekäufe der Zentralbanken verweisen, die als zusätzliche Nachfrage das Renditeniveau gedrückt haben. Es gibt jedoch noch eine andere Betrachtungsweise, bei der Zentralbankpolitik ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

Anleger am Rentenmarkt stehen stets vor der Entscheidung, ob sie freie Mittel langfristig anlegen sollen, indem sie Anleihen mit langer Fälligkeit kaufen, oder aber nur kurzfristig investieren und fällig werdende Gelder wieder re-investieren. Welche der beiden Strategien einen höheren Ertrag abwirft, hängt von der Entwicklung der kurzfristigen Zinsen ab, die wiederum von der Zinspolitik der Zentralbank bestimmt werden.

Die Zentralbanken bemühen sich um Transparenz und versorgen die Öffentlichkeit und Anleger mit vielerlei Informationen, welche die Prognose der Geldpolitik erleichtern soll. Die amerikanische Zentralbank zum Beispiel veröffentlicht einmal im Quartal die (anonymisierten) Prognosen der Mitglieder des Offenmarktausschusses zur Entwicklung des Leitzinses, sowohl für die kommenden Jahre wie auch für die lange Frist. Für den Rentenmarkt sind dies hochrelevante Daten, die wiederum in seine eigenen Erwartungen der Zinsentwicklung einfließen, und diese Erwartungen münden letztlich in konkreten Anlageentscheidungen.

Wie unser Chart of the Week zeigt, fluktuierten die im Markt eingepreisten Zinserwartungen (die sogenannten „Forwards“) für eine einjährige Laufzeit in neun Jahren in den letzten Jahren rund um Prognosen für die Leitzinsen der Fed für die lange Frist.

Dr. Jörn Wasmund, Global Head Fixed Income bei der DWS, hält das aktuelle Niveau für zu niedrig und rechnet mit steigenden Renditen.

Nach dem kräftigen Rückgang der gesamten Renditekurve Anfang 2020, und damit auch der Forwards, während der Coronakrise kam es ab Mitte 2020 zu einer Aufwärtsbewegung, welche die Forwards wieder leicht über die Langfristprognosen der FOMC-Mitglieder ansteigen ließ. Seit dem zweiten Quartal dieses Jahres sind die Renditen wieder gefallen. Manche sehen darin wachsende Skepsis über das langfristige Potentialwachstum der USA, wir aber denken, dass dieser kurzfristige Einbruch vor allem einem stark rückläufigen Treasury-Angebot[1] und einer sehr unausgewogenen Positionierung institutioneller Marktteilnehmer geschuldet ist. Dr. Jörn Wasmund, Global Head Fixed Income bei der DWS, hält das aktuelle Niveau für zu niedrig und rechnet mit steigenden Renditen. Befürchtungen, dass 10-jährige Renditen auf drei Prozent hochschnellen könnten, erscheinen vor dem Hintergrund langfristiger Leitzinserwartungen von 2,5 Prozent aber zu pessimistisch.

Vielleicht hat die Zentralbank Alan Greenspan’s Conundrum mittles ihrer eigenen Guidance ja selbst gelöst.

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1. Das US-Finanzministerium hat seine bei der Fed gehaltene Liquidität seit Jahresanfang um rund eine Billionen Dollar reduziert, was mit einem entsprechenden geringerem Bedarf an Staatsanleiheemissionen einherging.

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