15. Okt 2021 Nachhaltigkeit

Klimapolitik heißt auch Naturkapital schützen

Eine glaubwürdige globale Klimapolitik erfordert niedrigere Emissionen und höhere CO2-Preise. Ebenso wichtig ist aber der Schutz von Ozeanen, Land und Wäldern.

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Ein Scheitern ist keine Option auf der 26. Klimakonferenz der Vereinten Nationen, auch bekannt als COP26, die in 16 Tagen in Glasgow beginnt. Niedrigere Emissionen sind notwendig, aber nicht ausreichend. Technologien, um vorhandenen Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu binden, müssen verbessert und breit eingesetzt werden. Dazu bedarf es globaler Preissysteme für Kohlenstoff, denn fast 80 Prozent der CO2-Emissionen sind noch immer durch keinen CO2-Preis abgedeckt.[1] Um dies zu korrigieren, ist ein ähnlicher Ehrgeiz erforderlich, wie bei der Festlegung eines Mindeststeuersatzes für Unternehmen, der letzte Woche von 136 Ländern vereinbart wurde.[2]

Ebenso wichtig ist der Schutz der heute bereits existierenden natürlichen Kohlenstoffspeicher, nämlich der Ozeane, Landmassen und Wälder unserer Erde. Insgesamt entfernen und konservieren diese Kohlenstoffspeicher etwa 40 Prozent der Treibhausgasemissionen, wie unser „Chart of the Week“ zeigt. Jede glaubwürdige Klimapolitik muss die kritische Rolle der Natur bei der Reduzierung und Beseitigung von Emissionen berücksichtigen, wie in einer kürzlich veröffentlichten Analyse der DWS beschrieben wurde.[3] Meere werden durch Versauerung, Plastik- und Chemikalienverschmutzung, Überfischung, Walfang, Zerstörung von Küstenlebensräumen und Bergbau am Meeresboden geschädigt, während Wälder unter Abholzung, Bränden und Dürren leiden.

Die Quellen von Treibhausgasemissionen und ihre Bindung durch natürlichen Kohlenstoffspeicher

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Quellen: Project Drawdown - Drawdown Framework, IPCC (2014), Global Carbon Project (2019) DWS Investment GmbH; Stand: 12.10.2021

Die politischen Entscheidungsträger müssen daher schnell vorgehen, indem sie beispielsweise Meeresschutzgebiete und Naturschutzgebiete ausweiten, den rechtlichen Schutz von Küstenlebensräumen sicherstellen und schädliche Praktiken wie Grundschleppnetzfischerei, Meeresbodenabbau, Waljagd, und das Abschneiden von Haiflossen verbieten. Nicht nachhaltige Fischereisubventionen sollten ebenso bald Geschichte sein, wie neue Bohrinseln zur Förderung fossiler Brennstoffe. Auch die Schifffahrtsindustrie sollte für die durch ihre Operationen verursachten Schäden aufkommen müssen. All dies erfordert politische Entscheidungen, aber auch private Investoren spielen eine wichtige Rolle.

Für die Ozeane sind vor allem acht Industrien von zentraler Bedeutung, nämlich Offshore-Öl und -Gas, seetechnische Ausrüstung und Bau, Meeresfrüchte, Containerschifffahrt, Schiffbau und -reparatur, Kreuzfahrttourismus, Hafenaktivitäten und Offshore-Wind. Mit Ausnahme von Meeresfrüchten sowie seetechnischer Ausrüstung und Bauwesen, macht die Größe der Top-10-Unternehmen in den anderen Sektoren gemessen am Umsatz einen erheblichen Anteil der gesamten Branche aus.[4] Dies sind meist große, börsennotierte Unternehmen, was die Möglichkeit für ein energisches Engagement der Investoren ermöglicht. Aus Anlegersicht gehört der Schutz des Naturkapitals zweifellos zu den wichtigsten Punkten der COP26-Agenda, nicht zuletzt wegen der Wechselwirkungen auf die Renditen vieler Anlageklassen.

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1. World Bank (2021). State and Trends of Carbon Pricing 2021

2. Reuters (October 8, 2021). Global minimum corporate tax rate deal reached: OECD

3. DWS Research Institute (October 2021). Oceans & Climate: Exploring the Nexus

4. Verdin et al. (2021). The Ocean 100: Transnational corporations in the ocean economy

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