01. Okt 2021 Macro

Rätsel auf dem Rentenmarkt

Der jüngste Anstieg der Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen ist etwas überraschend.

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„Hört auf den Anleihenmarkt“, raten alte Hasen an der Wall Street gerne. Wenn es um die Richtung der US-Wirtschaft geht, ist die kollektive Weisheit der Bondtrader tendenziell zuverlässiger als die vieler Wirtschaftsweisen.[1] Bloß ist es nicht immer leicht zu verstehen, was der Anleihenmarkt sagt.

Nehmen wir den Anstieg der Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen, der sich nach der Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der Federal Reserve (Fed) letzte Woche stark beschleunigte. Ein klarer Fall, so scheint es: Es ist die Schuld der Notenbank, die ankündigte, dass sie ihre Anleihekäufe etwas früher als erwartet zurückfahren könnte. Dies sollte sich jedoch hauptsächlich in steigenden kurzfristigen Renditen niederschlagen, da dann auch mehr oder frühere Zinserhöhungen wahrscheinlicher würden. Stattdessen fiel der Anstieg bei Renditen 2-jähriger Treasuries moderat aus.

Also, was ist los? Nun, nominale Anleiherenditen können zerlegt werden, insbesondere in reale Renditen und Inflationserwartungen. Wie unser Chart of the Week zeigt, stiegen die nominalen Renditen 10-jähriger Staatsanleihen und die Inflationserwartungen, gemessen an den Break-even-Inflationsraten, von Sommer 2020 bis März dieses Jahres im Gleichschritt an, im Frühjahr wurden dann auch die Realrenditen zumindest weniger negativ. All dies scheint mit einer boomenden US-Wirtschaft im Zuge der Wiedereröffnung gut vereinbar.

Nach der Sitzung der amerikanischen Zentralbank begann der Markt, sich sowohl auf eine schnellere Rückführung der Anleihekäufe als auch auf eine frühere Zinserhöhung einzustellen. Die Inflationserwartungen sind ebenfalls hoch gegangen, wenn auch weniger stark als der Anstieg der Realrenditen.

Realrendite 10-jähriger US-Staatsanleihen, Inflationserwartungen und reale Renditen

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Quellen: Bloomberg Finance L.P., DWS Investment GmbH; Stand: 28.09.2021

Könnte die Emissionstätigkeit des U.S. Schatzamts ebenfalls ein Treiber sein? Vielleicht, wobei man im Allgemeinen erwarten würde, dass rationale Marktteilnehmer solche Faktoren im Voraus einpreisen. Vielleicht wurde der Rentenmarkt von den Schlagzeilen aus Washington über die politischen Kämpfe um die Schuldengrenze und den Haushaltsbeschluss überrascht? Nun, wenn überhaupt, stehen die Zeichen jetzt für ein kleineres Ausgabenpaket, daher weniger Emissionen - und niedrigere Renditen - als noch vor einigen Wochen erwartet. Was die Schuldenobergrenze betrifft, so stiegen die Kosten für die Versicherung gegen den Zahlungsausfall der US-Regierung Mitte September tatsächlich ein wenig – aber nur um wenige Basispunkte und lange bevor diese beängstigenden Schlagzeilen eintrafen. Kurz gesagt, das Rätsel bleibt, zumindest vorerst.

„Einen Anstieg der Staatsanleiherenditen haben wir jedoch schon seit längerer Zeit erwartet. Die jüngste Marktbewegung passt daher gut zu unseren strategischen Prognosen“, erklärt Dr. Jörn Wasmund, Head of Fixed Income bei der DWS.

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