Impfungen, Larvenfutter, KI-Überwachung und Blockchain – so kann Aquakultur nachhaltig werden


Schon jetzt sind nach Schätzungen des World Wide Fund for Nature (WWF) annähernd drei Milliarden Menschen auf Fische und Meeresfrüchte als primäre Proteinquelle angewiesen – entweder aus Wildfang oder aus Aquakulturen[1]. Die Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) geht davon aus, dass der weltweite Fischkonsum im Jahr 2030 um 18 Prozent über dem Niveau des Jahres 2018 liegen wird[2]. Allerdings sind die Fischbestände bereits zu über 90 Prozent entweder maximal genutzt oder überfischt[3]. Vor diesem Hintergrund haben Aquakulturen in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Laut FAO sind Aquakulturen seit 2016 die Hauptquelle von Fisch für den menschlichen Verbrauch[2]. Im Jahr 2018 habe der Anteil bei 52 Prozent gelegen und werde auf lange Sicht wohl weiter steigen, erwartet die Organisation.

Im vergangenen Jahr haben 768 Millionen Menschen gehungert

„Zwar sind Aquakulturen für die Ernährung der Weltbevölkerung mittlerweile unverzichtbar geworden, allerdings sind mit ihnen auch große Probleme verbunden. Dazu zählen die zur Überfischung führende Fütterung mit Fischmehl und -öl, der massive Einsatz von Antibiotika und die CO2-intensiven langen Logistikketten, da Aquakulturen in der Regel in Kaltwassergebieten liegen. Doch derzeit befindet sich die Industrie dank zahlreicher Innovationen wie alternativen Futtermitteln und besserer Krankheitsprävention für die Tiere an einem Wendepunkt. Damit wird nachhaltiges Wachstum möglich, durch das die Ernährung einer großen und womöglich sogar steigenden Zahl von Menschen sichergestellt werden kann“, sagt Paul Buchwitz, Fondsmanager des DWS Invest SDG Global Equities mit Blick auf den Welternährungstag am 16. Oktober. An diesem Datum sollen möglichst viele Menschen auf die weltweite Ernährungssituation aufmerksam gemacht werden: Im vergangenen Jahr haben weltweit etwa 768 Millionen Menschen gehungert. Im Schatten der Coronavirus-Pandemie ist die Zahl damit um rund 118 Millionen gegenüber 2019 gestiegen[4]. Der 16. Oktober wurde als Datum ausgewählt, weil an diesem Tag im Jahr 1945 die FAO gegründet wurde, die die weltweite Ernährung gewährleisten soll.

„Kein Hunger“ ist auch eines der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz SDG) der Vereinten Nationen. Sie sollen weltweit der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Ebene dienen. Die SDG traten am 1. Januar 2016 in Kraft und haben eine Laufzeit bis 2030. Mit dem DWS Invest SDG Global Equities strebt Fondsmanager Buchwitz an, dass durchschnittlich mindestens 50 Prozent der Unternehmenserträge zur Erreichung der 17 SDG beitragen.

Mit dem Aufkommen neuer Technologien in der Aquakultur verbessern sich aber nicht nur die Aussichten für die Ernährungssituation, es ergeben sich auch attraktive Investitionsmöglichkeiten, etwa bei der Herstellung von Futter.

Gewinnung von Fischmehl und -öl lässt Bestände an Sardinen schrumpfen

„Grundsätzlich wird Nahrung von Fischen besser umgesetzt als von anderen Tieren. Atlantischer Lachs in Aquakulturen beispielsweise benötigt 1,2 bis 1,5 Kilo Futter, um ein Kilo an Körpergewicht zuzulegen. Ein Rind braucht dafür hingegen sechs bis zehn Kilo“, sagt Buchwitz. Allerdings entstünden durch die Nahrungsherstellung auch rund 55 Prozent der Treibhausgasemissionen der Aquakulturen, da das Futter teils aus Getreide bestehe, bei dem Düngemittel, Landverbrauch und Transportwege negativ zu Buche schlagen würden. Ein weiterer Bestandteil der Nahrung seien Fischmehl und -öl. „Der Fang zur Herstellung dieser beiden Bestandteile der Nahrung hat aber beispielsweise in Westafrika bereits dazu geführt, dass Schlüsselarten wie Sardinen massiv überfischt sind“, so der Fondsmanager.

Daher komme alternativem Futter eine hohe Bedeutung zu. So lasse sich aus den Larven der Schwarzen Soldatenfliege ein Nahrungsmittel mit einem Proteingehalt von 55 Prozent herstellen, das nicht nur an Fische verfüttert werden könne, sondern sich auch als Ersatz für das umstrittene Palmöl eigne. Darüber hinaus ließen sich Omega-3-Fettsäuren für Fischnahrung auch durch die Fermentierung der Meeres-Mikroalge Schizochytrium sp in industriellem Maßstab herstellen.

Bakterien mit Viren statt mit Antibiotika bekämpfen

„Ein weiteres Problem ist wie bei jeder Massentierhaltung der großflächige Einsatz von Antibiotika und die Ausbildung von Resistenzen gegen diese Medikamente“, sagt Buchwitz. Aber auch hier seien zuletzt große Fortschritte gemacht worden. So gebe es mittlerweile Impfungen für in Aquakulturen gehaltene Fische, ein Markt der gegenwärtig um zehn Prozent pro Jahr wachse. Darüber hinaus würden zunehmend Bakteriophagen, also auf Bakterien als Wirtzellen spezialisierte Viren, zur Behandlung bakterieller Infektionen eingesetzt, wodurch Medikamentenrückstände in den Tieren vermieden würden.

Einen weiteren wichtigen Wachstumsmarkt sieht Buchwitz in Technologien zur Optimierung und Überwachung der Nachhaltigkeit von Aquakulturen. „Ein Unternehmen verfolgt mit Hilfe von Videokameras und künstlicher Intelligenz beispielsweise die Futter-Pellets auf ihrem Weg durch das Wasser, um so den Einsatz zu optimieren“, sagt er. Darüber hinaus werde bereits die Blockchain-Technologie für mehr Transparenz in den Lieferketten eingesetzt.

 

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