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Halb­lei­ter: gu­te Nach­rich­ten ein­ge­preist

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10.07.2026

KI treibt Gewinne und Kurse. Doch nach der Rally wird das Chance-Risiko-Verhältnis anspruchsvoller.

Eine stark vergrößerte Nahaufnahme eines Computermikroprozessors, die Reihen goldfarbener Anschlussstifte zeigt, die den Chip umgeben.

Beim Thema Künstliche Intelligenz überrascht vor allem eines: die anhaltende Dynamik. Das zeigt sich nicht nur technologisch, sondern auch an den Kapitalmärkten. Während zunächst die großen Plattformunternehmen im Fokus standen, hat sich die Präferenz der Anleger im vergangenen Jahr deutlich verschoben, wie wir auch in unserem CIO Special „KI zwischen Wachstum und Wirklichkeit“ [JJ2.1]von 26. Juni 2026[1] tiefgehender analysiert haben. Halbleiterwerte haben großen Hyperscaler zuletzt hinter sich gelassen und waren die treibende Kraft der KI-Rally. Der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) legte in der ersten Jahreshälfte des laufenden Jahres um knapp 102 Prozent[2]​ (Total Return) zu, begleitet von kräftigen Aufwärtsrevisionen bei den Gewinnschätzungen. Der Chart zeigt diese Verschiebung eindrücklich.

Der Treiber ist strukturell klar. KI benötigt enorme Rechenleistung und damit Chips, Speicher und Produktionskapazitäten. Die Nachfrage der Hyperscaler bleibt hoch und könnte durch KI-Agenten weiter steigen. Gleichzeitig ist das Angebot nur begrenzt ausweitbar. Hohe Investitionen, technologische Hürden und lange Vorlaufzeiten treffen auf eine in Teilen oligopolistische Anbieterstruktur. Eine weitgehend preisunempfindliche Nachfrage sorgt so für außergewöhnlich starke Gewinnentwicklungen.

Gerade diese Dynamik erklärt jedoch auch unsere inzwischen vorsichtigere taktische Einschätzung. Wir haben den globalen Halbleitersektor von positiv auf neutral zurückgenommen. Die fundamentale KI-Story bleibt intakt. Doch nach der starken Kursentwicklung und den massiven Gewinnsteigerungen erscheint ein erheblicher Teil der positiven Erwartungen bereits eingepreist. Dabei ist weniger die klassische Bewertung entscheidend. Auf Basis zukünftiger Gewinne wirken viele Titel weiterhin nicht übermäßig anspruchsvoll bewertet. Vielmehr rückt die Frage nach der Nachhaltigkeit der aktuellen Margen und Wachstumsraten in den Vordergrund.

Historisch ist der Sektor klar zyklisch. Phasen knapper Kapazitäten und hoher Preise folgten regelmäßig Investitionswellen, die später zu Überangebot führten. Auch wenn der aktuelle Zyklus durch disziplinierten Kapazitätsaufbau länger anhalten könnte, steigen mit jedem Gewinnsprung die Risiken. Teilweise extrem hohe Margen und Ergebnisdynamiken könnten eher auf einen fortgeschrittenen Punkt im Zyklus als auf ein neues nachhaltiges Gleichgewicht hindeuten.

Hinzu kommt, dass die stark gestiegenen Preise für die „Schaufeln“ des KI-Booms mittelfristig die Nachfrage nach KI-Anwendungen selbst dämpfen könnten. Steigende Kosten für Hardware und Speicher belasten Hyperscaler, Unternehmen und Verbraucher. Bleibt die Monetarisierung hinter den Erwartungen zurück, könnte die Investitionsbereitschaft nachlassen.

„Die KI-Story im Halbleitersektor ist intakt, aber nach der starken Rally ist sie weniger eine Frage des Wachstums als der Nachhaltigkeit der Gewinne“, sagt Tobias Rommel, Portfoliomanager Global Equities der DWS.

Unser Fazit bleibt folglich differenziert. Halbleiter dürften zentral bleiben für die KI-Wertschöpfungskette. Kurzfristig stützen starke Nachfrage, knappe Kapazitäten und volle Auftragsbücher. Gleichzeitig sind Erwartungen und Gewinnniveaus hoch. Eine neutralere Haltung erscheint daher aus taktischer Sicht aktuell angemessen.

Quellen: Bloomberg Finance L.P., DWS Investment GmbH; Stand: 30.06.2026

* Relative Entwicklung des Philadelphia Semiconductor Index (SOX) gegenüber dem UBS Hyperscaler-Index seit November 2023


Alle Meinungsäußerungen geben die aktuelle Einschätzung von DWS Investment GmbH wieder, die sich ohne vorherige Ankündigung ändern kann. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Prognosen basieren auf Annahmen, Schätzungen, Ansichten und hypothetischen Modellen oder Analysen, die sich als nicht zutreffend oder nicht korrekt herausstellen können. Alternative Anlagen sind mit diversen Risiken behaftet, nicht unbedingt für jeden Anleger geeignet und für jedes Portfolio verfügbar.

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