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13.02.2026
Ein physisch angespannter Markt hält die Notierungen nahe ihrer Rekordstände.
Kupfer führt in der öffentlichen Wahrnehmung aktuell eine Art Schattendasein, da die extremen Preisbewegungen bei Gold und Silber den Fokus klar auf sich ziehen. Aber auch Kupfer blickt auf eine beeindruckende Preisentwicklung zurück. Erst Ende Januar wurde im Tagesverlauf ein Rekordniveau von über 14.500 USD/Tonne erreicht, aktuell stehen die Notierungen leicht tiefer bei knapp über 13.000 USD.[1] Treiber dieser Stärke ist nicht maßgeblich die Stimmung der Anleger, oder vielmehr deren Schwankungen (wie es aktuell eher bei Gold und Silber den Eindruck erweckt), sondern ein physischer Markt, der über Monate hinweg aus dem Gleichgewicht geraten zu sein scheint.
Der Ausgangspunkt der Rally liegt im Herbst 2025: Ein Schlammeinbruch in Indonesiens Grasberg‑Mine führte zu Force Majeure[2] und einem Schock in einem Markt, der zuvor bereits angespannt war. Die International Copper Study Group rechnet für 2026 nur noch mit einem knappen Raffinade‑Wachstum von 0,9 Prozent und einem Defizit von etwa 150.000 Tonnen.[3] Weil zu wenig Konzentrat verfügbar ist, entsteht der Engpass zunehmend in der Verarbeitungsstufe.
In China, wo die Kupfernachfrage das hauseigene Angebot bei Weitem übersteigt, haben Politik und Industrie auf diese Entwicklung vor allem strategisch reagiert. Anfang Februar empfahl die staatlich gestützte China Nonferrous Metals Industry Association (CNIA), staatliche Kupferreserven auszubauen und zusätzliche Konzentrate für Pufferlager zu sichern.[4] Gleichzeitig verschärfte Shanghai die Margin‑ und Preislimits, um die außergewöhnliche Volatilität einzudämmen.[5] Die Umsätze und offenen Positionen an chinesischen Metallbörsen schossen dennoch zum Jahreswechsel nach oben – ein Spiegel der angespannten Lage entlang der Wertschöpfungskette.[6]
Kurzfristig hat die Rally allerdings eine natürliche Bremse gefunden. Rund um das chinesische Neujahr stehen traditionell auch viele Abnehmer an der Seitenlinie. Zudem drücken rekordnahe Preise auf die Margen und die Finanzierungskosten steigen. Auch steigen die Lagerbestände an der London Metal Exchange (LME), der Shanghai Futures Exchange und der Commodity Exchange COMEX saisonal an. Zugleich griffen chinesische Kupferverarbeiter sofort zu, als der Inlandspreis kurzzeitig unter 100.000 Yuan fiel – unseres Erachtens ein wichtiger Hinweis darauf, dass Rücksetzer weiterhin rasch Käufer finden.
Mittel‑ und langfristig gehen wir davon aus, dass die Nachfrage stabiler und weniger preissensibel werden dürfte. Große Stromnetz‑Projekte, der Ausbau der Ladeinfrastruktur und die Energie‑ und Kühlversorgung wachsender KI‑Rechenzentren erfordern hohe Kupfermengen über Jahre hinweg. Besonders relevant: Der chinesische Netzbetreiber State Grid plant für 2026 bis 2030 Investitionen von 4 Billionen Yuan – rund 40 Prozent mehr als zuvor.[7]
Parallel hat eine Entwicklung außerhalb Asiens die Angebotslage zusätzlich verschärft: Die USA haben seit 2025 still und heimlich die größten Kupfervorräte ihrer jüngeren Geschichte aufgebaut. Auslöser waren Sorgen vor potenziellen Zöllen auf Raffinade unter Donald Trumps erneuter Präsidentschaft. Das daraus resultierende Preisgefälle zwischen COMEX und LME war zeitweise so attraktiv, dass Handelshäuser große Mengen über den Atlantik verschifften.[8] Anfang Februar 2026 lag der US‑Bestand bei mehr als 590.000 Tonnen – ein Fünffaches des Vorjahres –, während inklusive Off‑Exchange‑Beständen rund 1 Millionen Tonnen geschätzt werden. Teile davon könnten künftig Bestandteil des geplanten „Project Vault“ werden, eines 12‑Milliarden-Dollar-Programms für strategische Rohstoffreserven.[9]
„Die Bewegung von Kupfer seit Jahresbeginn wurde von einem knappen Angebot getrieben, wobei Rücksetzer eher auf Positionsanpassungen als auf fundamentale Veränderungen zurückzuführen sind. Die langfristigen Nachfragetrends bleiben intakt, was erklärt, warum der Markt starke Schwankungen, aber keine wesentliche Änderung der übergeordneten Einschätzung gezeigt hat.“, sagt Jose Cerda, Portfoliomanager für Rohstoffe bei DWS.
Unterm Strich steigt Kupfer damit aktuell wegen eines realen globalen Engpasses. Grasberg, strukturell knappe Konzentrate, strategische Bevorratung in China und den USA sowie robuste Investitionsprogramme im Energie‑ und Digitalsektor. Spekulative Ströme verstärken die Ausschläge – doch das Fundament bleibt ein physisch angespannter Markt.
Quellen: Bloomberg Finance L.P., DWS Investment GmbH; Stand: 10.02.2026
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