Wo das "V" gelingen könnte

Chart of the Week

Anders als die Konjunktur könnte der Inflation eine V-förmige Erholung gelingen.

Viele Rezessionen der Nachkriegszeit folgten einem bekannten Muster. Im Abschwung werden private Haushalte und Unternehmen typischerweise sparsam. Die gesamtwirtschaftliche Sparquote steigt. In einem gesamtwirtschaftlichen Angebots- und Nachfragemodell verschiebt sich die Nachfragekurve somit nach links, es wird weniger konsumiert. Dies führt zu einem neuen Gleichgewicht, in dem sowohl die gesamte Wirtschaftsleistung, als auch das Preisniveau niedriger als zuvor sind. Je nachdem, wie flexibel Löhne- und Preise reagieren, kann der Einbruch eine ganze Weile andauern. Da helfen nach Ansicht vieler Ökonomen nur staatliche Konjunkturprogramme.  

Nun hat es zuletzt an fiskal- und geldpolitischer Unterstützung nicht gemangelt. Allerdings hat die Covid-19-Rezession auch gravierende Auswirkungen auf die Angebotsseite der Wirtschaft. Um die Ausbreitung des Virus zu bremsen, wurden viele Verbote verhängt. Restaurants, Hotels, Fitnessstudios und andere Dienstleister waren besonders von den sogenannten Lockdown- Maßnahmen betroffen. Diese staatlich verordnete Reduktion des Angebots führt im Angebots- und Nachfragemodell dazu, dass sich neben der Nachfragekurve auch die Angebotskurve nach links verschiebt. Ein Covid-19-Rezessions-Gleichgewicht findet sich bei wesentlich niedrigerer Wirtschaftsleistung und allenfalls moderat niedrigerem Preisniveau.

Jüngst veröffentliche Inflationsdaten scheinen diese theoretische Betrachtung zu bestätigen. Ohne Berücksichtigung der Energiekomponente, die dank des Ölpreises dieses Jahr schon einige Kapriolen geschlagen hat, liegt die Inflationsrate in der Eurozone mit 1,3 Prozent im Juni genau auf dem gleichen Niveau wie zu Beginn des Jahres.

Spannend wird es, wenn sich die Angebotsseite wieder erholt. Gewisse Restriktionen dürften bestehen bleiben, um erneute Erkrankungswellen zu vermeiden. Dann würde sich die Nachfragekurve wieder nach rechts verschieben, die Angebotskurve aber deutlich links vom ihrem alten Niveau verharren. Die steigende Wirtschaftsleistung würde dann von deutlich höheren Preisen begleitet. Es könnte sein, dass der Anleihemarkt diese Entwicklung schon ahnt. Wie aus unserem "Chart of the Week" ersichtlich, sind die aus der Renditedifferenz von nominalen zu realen US-Staatsanleiherenditen abgeleiteten Inflationserwartungen am steigen. Es ist durchaus vorstellbar, dass zwar nicht die Konjunktur, aber dafür die Inflation eine V-förmige Erholung sehen könnte.

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* Abgeleitet aus der Renditedifferenz zwischen nominalen und realen US-amerikanischen Staatsanleihen
Quellen: Federal Reserve Bank of St. Louis, DWS Investment GmbH; Stand: 26.06.2020

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