Das zweischneidige Schwert der Abwertung

Chart of the Week

Letztlich dürfte der Handelskonflikt zwischen den USA und China eher am Verhandlungstisch als an den Devisenmärkten gelöst werden

Im Handelskonflikt zwischen den USA und China ist noch keine Entspannung in Sicht. Washington ist immer noch auf dem Pfad von zwei Schritten Eskalation, gefolgt von einem Schritt De-Eskalation. Letzteres erfolgt hauptsächlich über Verschiebungen der angekündigten Strafzölle. Nicht zuletzt, da mit zunehmender Dauer des Handelsstreits die negativen wirtschaftlichen Folgen immer deutlicher werden. Und zwar nicht nur für Protagonisten dieses Streits. Darüber hinaus sind auch jene Länder stark betroffen, deren Wirtschaft in hohem Maße von Industrie und verarbeitendem Gewerbe abhängig ist. Schließlich liegt der Fokus der Auseinandersetzung auf handelbaren Gütern (vergleiche auch Chart of the Week vom 17.05.2019).

Im Falle Chinas sorgt der Wechselkurs, zumindest aus chinesischer Perspektive, kurzfristig für etwas Entlastung. Der chinesische Yuan hat in den letzten Wochen gegenüber dem US-Dollar von 6,7 auf 7,15 Yuan je Dollar, also um gut 6 Prozent, abgewertet. Dadurch ging der Wert der chinesischen Exporte in die USA, gemessen in Dollar, um 6 Prozent zurück, während die Exporte gemessen in Yuan annähernd stabil blieben, wie aus unserem "Chart of the Week" hervorgeht.

Langfristig ist eine Währungsabwertung jedoch ein zweischneidiges Schwert. Einerseits erhöht ein schwächerer Wechselkurs die Wettbewerbsfähigkeit, indem eigene Produkte für ausländische Abnehmer günstiger werden. Andererseits verteuern sich Preise von Gütern und Dienstleistungen aus dem Ausland für heimische Verbraucher. Und hier liegt auch genau die Krux: ein Teil der Lasten wird über eine gesunkene Kaufkraft für importierte Produkte, wie zum Beispiel Öl, auf inländische Konsumenten und Unternehmen abgewälzt. Mittlerweile spüren auch US-Unternehmen und Verbraucher negative Konsequenzen, denn die Abwertung hat die kürzlich eingeführten Zölle nicht vollständig ausgeglichen. Nicht zuletzt aufgrund dieser Beeinträchtigungen auf beiden Seiten erwarten wir keine nachhaltige, weitere Abwertung des Yuan. Da schon eine geringe Abwertung den Verbrauchern und Unternehmen zusetzt, erhöht dies die Anreize für beide Regierungen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das wiederum sollte den Druck verringern, den Yuan weiter abwerten zu lassen.

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Quellen: Bloomberg Finance L.P., DWS Investment GmbH; Stand: 04.09.2019

 

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