07. Dez 2020 ESG

Die etwas andere Liquidität

Wasserrisiken spielen inzwischen in allen Branchen, Subsektoren und Unternehmen eine immer wichtigere Rolle.

Petra Pflaum

Petra Pflaum

CIO for Responsible Investments
  • Aus Branchenperspektive bergen Energie und Grundstoffe die höchsten wasserbezogenen Risiken.
  • Relativ gering scheinen Wasserrisiken in der Finanzbranche, dem Gesundheitswesen und bei Kommunikationsdiensten sowie einigen Industrieunternehmen.
  • Wir nutzen ESG-Kriterien, also Fragen der Umwelt- und Sozialstrategie sowie der Art der Unternehmensführung, um Anlagechancen und -risiken zu erkennen.
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Dieser Beitrag beschreibt, welche Bedeutung Wasserrisiken bei den Anlagekriterien der DWS spielen. Unser neues Wasserrisiko-Rating ist jetzt in unsere Klima-und-Übergangsrisiko-Ratings eingebunden. Zuerst aber einige Anmerkungen zu Wasserrisiken allgemein und wie und warum sie für die Vermögensverwaltung eine Rolle spielen.

25 Prozent des weltweiten Wirtschaftswachstums stammen aus Ländern, die unter chronischem Wassermangel leiden.

Unsere Klienten vertrauen uns als Treuhänder ihr Vermögen an, damit wir es investieren und nachhaltige Erträge anstreben. Wasser ist wichtig. Bereits jetzt stammen 25 Prozent des weltweiten Wirtschaftswachstums aus Ländern, die unter chronischem Wassermangel leiden. Dieser Anteil dürfte in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen. Wasserressourcen, besonders Trinkwasser, machen nur 2,5 Prozent der Wasserbestände der Welt aus. Knapp unter einem Prozent steht für die Aufrechterhaltung alles terrestrischen Lebens und der Ökosysteme zur Verfügung. Erschwerend kommt hinzu, dass durch Umweltverschmutzung und Verlust natürlicher Feuchtgebiete die Verfügbarkeit und Qualität der Wasserressourcen zusätzlichen Belastungen ausgesetzt sind.  Außerdem drohen immer häufigere Dürreperioden, ausgelöst durch eine drastische Erderwärmung. Die ohnehin schon schlechte Situation könnte sich durch steigende Bevölkerungszahlen, den Klimawandel und unsere Unfähigkeit, in der Vergangenheit verursachte Schäden wieder gutzumachen, weiter verschlechtern.[1]

So erklären zum Beispiel die Vereinten Nationen (UN) in ihrem ausführlichen Bericht „Wasser und Klimawandel“ in allen Einzelheiten, wie Wasserhaushalt und Klimawandel einander wechselseitig beeinflussen. Die Wissenschaftler kommen hier zu dem Schluss, dass der Klimawandel mehr Extremwetterereignisse auslösen könnte wie heftigere Niederschläge, extreme Hitze und anhaltende Dürre. Hingegen scheint es nahezu unmöglich, bei den jährlichen Gesamtniederschlagsmengen und saisonalen Mustern eine eindeutige Richtung zu erkennen.

Daher verwundert es nicht, dass verschiedene Organisationen wie die Weltbank und das Weltwirtschaftsforum im Wasser das systemische Schlüsselrisiko für unseren Planeten sehen.[2] In den beiden letzten Jahrzehnten wurden Wasserrisiken zwar umfangreich erforscht, um sie besser zu verstehen, aber Fortschritte bei ihrer Bekämpfung sind kaum zu verzeichnen. Dieses Versagen ist wohl hauptsächlich drei Dingen zuzuschreiben: Erstens der Fragmentierung der Wasservorschriften, zweitens den charakteristischen Eigenschaften von Wasserinvestments und drittens dem Irrglauben vieler Entscheidungsträger, dass Wasser in Hülle und Fülle und zudem billig verfügbar ist.

Was bedeutet dies also für die praktische Arbeit in der Vermögensverwaltung? Ein besonderes Augenmerk richten wir auf die bestehende Wasser-Infrastruktur. Erderwärmung und steigende Meeresspiegel schaffen zusätzliche Risiken, lebt doch ein Gutteil der Erdbevölkerung in Küstenregionen. Daher dürfte es immer dringender werden, sowohl von staatlicher als auch privater Seite Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Sorgen bereiten nicht nur stärkere Erosion und Kontaminierung von Wasserläufen, sondern auch die Entstehung von Pfützen und Teichen, in denen Moskitolarven gedeihen können, die gefährliche Krankheiten übertragen könnten. Neue Infrastruktur wird auch benötigt, um Risiken durch extreme Wetterereignisse zu reduzieren. Ohne jegliche Gegenmaßnahmen könnte Wasserstress infolge von Extremwetterereignissen Industrieproduktion, Stromerzeugung und letztlich sogar die Versorgung mit Nahrungsmitteln gefährden.

Auf dieser Grundlage haben wir unterschiedliche Investmentstrategien herausgearbeitet. Dazu gehören Strategien zur Risikokontrolle, um die Positionen bei Unternehmen und Branchen mit hohem Wasserrisiko zu minimieren, aber auch die Betrachtung von Unternehmen, die Lösungsansätze bieten. Hierbei werden die Unternehmen ermittelt, die im Umgang mit Wasserrisiko Innovationen vorantreiben oder andere positive Veränderungen zur Verringerung von Wasserrisiken anstoßen. In unserem traditionellen Anlageprozess nutzen wir außerdem unseren Einfluss auf Unternehmen als Investoren, mit dem Ziel, dass diese das Management von und die Berichterstattung zu Wasserrisiken verbessern, und so die Welt zum Positiven verändern.

Erderwärmung und steigende Meeresspiegel schaffen zusätzliche Risiken.

Renten- und Aktienanleger haben vielleicht unterschiedliche Prioritäten, aber beide neigen dazu, ähnlich Ansichten zu vertreten.

Die Umschichtung eines Portfolios weg von Unternehmen mit hohen CO2-Emissionen oder hohem Wasserverbrauch bzw. -verschmutzung kann mitunter das finanzielle Risiko verringern, da die Rentabilität dieser Unternehmen in Zukunft leiden könnte. Zu den Risiken dieser Unternehmen gehören regulatorische Änderungen, Preisbelastungen für CO2-Emissionen oder Wasserverbrauch, schnellere Verbreitung erneuerbarer Technologien oder sich ändernde Markterwartungen. Allerdings wirkt sich die Veräußerung von Beteiligungen nicht unbedingt auf CO2-Emissionen oder Wasserverbrauch bzw.-verschmutzung aus. Ebenso wenig erhöht sie die Widerstandsfähigkeit der Welt gegen physische Klimaauswirkungen. Im Prinzip mögen Renten- und Aktienanleger vielleicht unterschiedliche Prioritäten haben, aber beide halten es in der Regel für ähnlich wichtig, dass Unternehmen strategisch und operativ stärker auf Nachhaltigkeit setzen.

In unserer Analyse untersuchen wir die Auswirkungen von Wasserrisiken auf die verschiedenen Subsektoren, um Wasserrisiken und -chancen bei der Sektorenallokation und Portfoliostruktur berücksichtigen zu können. Bei jedem Investment stellen wir systematisch folgende Fragen: „Droht diesem Unternehmen ein größeres Wasserrisiko? Wie gut kann es mit diesem Risiko umgehen?“ Zur Beantwortung dieser Fragen hat DWS eine hauseigene Wasserrisiko-Methodik entwickelt. Dafür erhalten wir regelmäßig Daten auf Unternehmensebene von vier wichtigen ESG-Datenlieferanten, nämlich Trucost, MSCI, ISS-ESG und Arabesque, um das Wasserrisiko möglichst zuverlässig und objektiv bewerten zu können.

Ziel unserer Überlegungen und Berechnungen ist dabei immer auch, wie sich das Wasserrisiko auf das Finanzergebnis eines Unternehmens auswirken könnte. Unsere Analysen zeigen, dass einige der Unternehmen mit höchstem bzw. außergewöhnlich hohem Wasserrisiko in den Bereichen Energie, Baustoffe, Nahrungsmittel und Getränke sowie bei unabhängigen Energieerzeugern in der Versorgerindustrie zu finden sind. Im Grundstoffsektor können zum Beispiel durch den hohen Bedarf an Wasser und Strom im Bergbau aus physischen und finanziellen Gründen nicht unbegrenzt neue Betriebsstätten eingerichtet werden. Unternehmen mit geringem Wasserrisiko gehören in der Regel zu den Sektoren Finanzen, Gesundheitswesen und Kommunikationsdienstleistungen sowie zu einigen Industriebereichen, zum Beispiel dem Verkehrs- und Transportwesen.

Aber wir bestimmen nicht nur die Sektoren mit hohem Wasserrisiko, wir können auch die Sektoren, Subsektoren und einzelne Wertpapiere identifizieren, bei denen vom Thema Wasser die meisten Chancen ausgehen könnten – Industriegase, Baumärkte, Baumaterialien, Spezialchemikalien und erneuerbare Energien.

Kurz und gut: Investoren stützen sich bei ihren Anlageentscheidungen immer stärker auf ESG-Kriterien. Dies könnte die Performance verschiedener Sektoren und Subsektoren in den ersten zehn Monaten 2020 unterstützt haben – und zeigt vor allem, wie nützlich ein formaler Rahmen bei der Bewertung von Emittenten anhand von festgelegten Kriterien ist, wenn es darum geht, einen globalen Ausblick für eine Sektorallokation abzuleiten.

… einige der Unternehmen mit hohem Wasserrisiko sind in den Bereichen Energie, Baustoffe, Nahrungsmittel und Getränke zu finden.

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1. FAO Water: A finite resource (1995) http://www.fao.org/3/u8480e/U8480E0c.htm

2. S. besonders Weltbank (August 2019). 'Quality Unknown - The Invisible Water Crisis' https://openknowledge.worldbank.org/handle/10986/32245

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