25. Nov 2020 Aktien

Wir erwarten ein gutes Aktienjahr 2021

Gewinnwachstum und noch länger anhaltende Niedrigzinsphase rechtfertigen eine niedrigere Risikoprämie und höhere Bewertungen für Aktien.

Dr. Thomas Schüßler

Dr. Dr. Thomas Schüßler

Co-Head of Equities
  • In jüngster Zeit verloren einige marktbelastende Risiken ihren Biss, was die Anlegerstimmung nachhaltig aufhellte.
  • Impfstoffe, der wirtschaftliche Aufschwung und ein anhaltend niedriges Zinsumfeld bilden die Grundlage für unseren Optimismus.
  • Wir bevorzugen Asien und den Technologiesektor. Wir glauben, dass zyklische Werte nur phasenweise Wachstumswerte schlagen werden.
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Wir erstellen unsere Aktienmarktprognosen für das Jahr 2021 vor dem Hintergrund einer ungebremst wütenden Jahrhundertpandemie, die unsere Gesellschaft sowie ganze Wirtschaftssektoren auf den Kopf stellt und Verbraucher- wie Unternehmervertrauen stark belastet. Trotzdem notieren die Aktienmärkte dank rekordhoher Bewertungen auf Höchstständen. Das klingt nach idealen Voraussetzungen für eine Marktkorrektur und Skepsis. Doch wir sind nicht pessimistisch. Warum?

Wir denken, dass unter anderem die Covid-19-Impfstoffe bis Ende 2021 eine weitgehende Rückkehr zur Normalität ermöglichen werden. Dies wiederum sollte die wirtschaftliche Erholung unterstützen, die zudem von Regierungen und Zentralbanken gefördert wird. Wir prognostizieren daher ein Gewinnwachstum im Schnitt von 25 bis 30 Prozent je Aktie für die meisten Märkte. Auch rechnen wir mit längerfristig niedrigeren Zinssätzen, bei 10-jährigen US-Staatsanleihen bis zum Jahresende 2021 etwa mit Renditen um ein Prozent. Dies dürfte die zwei bekannten Trends Tina (Alternativlosigkeit) und FOMO (Angst, die Rally zu verpassen) weiter beflügeln.[1] Unsere Kursziele bis Dezember 2021 sind 3.800 Punkte für den S&P 500 und 14.000 Punkte für den Dax. Um dorthin zu gelangen, werden die Anleger unserer Meinung nach noch niedrigere Risikoprämien für Aktien und damit höhere KGVs als bisher angenommen akzeptieren müssen.

Das wahrscheinliche Patt zwischen Demokraten und Republikanern im neu gewählten US-Kongress könnte sich zu einem sogenannten "Goldilock"-Umfeld entwickeln

Anleger haben unserer Meinung nach gute Gründe, höhere Bewertungsparameter zu akzeptieren und Aktien entsprechend in luftigere Höhen zu hieven. Das wahrscheinliche Patt zwischen Demokraten und Republikanern im neu gewählten US-Kongress könnte sich zu einem sogenannten "Goldilock"-Umfeld entwickeln – nicht zu heiß, nicht zu kalt. Das heißt, der Inflationsdruck dürfte begrenzt bleiben, da wir davon ausgehen, dass die wahrscheinliche republikanische Senatsmehrheit nur moderate fiskalische Stimulipakete akzeptieren und eine durchgreifende Rücknahme der Steuerreformen verhindern wird. Der Ausblick für den Welthandel hat sich unseres Erachtens mit den neuen politischen Rahmenbedingungen in Washington verbessert. Wir erwarten jedoch, dass die Märkte außerhalb der USA weiterhin mit hohen Bewertungsabschlägen gegenüber den USA handeln werden, vor allem aufgrund ihres geringeren Anteils an Wachstumswerten. Dennoch rechnen wir für europäische und japanische Aktien für 2021 mit einer Gesamtrendite im mittleren einstelligen Bereich.

Für Aktien der Schwellenländer prognostizieren wir sogar zweistellige Renditen und stufen sowohl Asien (ex Japan) als auch die Schwellenländer insgesamt auf übergewichten hoch. Asien ist unsere bevorzugte Region für 2021. China hat die Covid-Herausforderungen erfolgreich gemeistert, ohne die Staatsverschuldung deutlich zu erhöhen, was ein gutes Vorzeichen für die langfristigen Wachstumsaussichten sein sollte. Somit hat China nun bereits zum zweiten Mal (das erste Mal nach der globalen Finanzkrise) der Weltwirtschaft aus einem Konjunkturtal geholfen. Die Wiederbelebung der europäischen und japanischen Exporte nach China ist ein aktueller Beleg dafür. Der geopolitische Aufstieg Chinas dürfte in den kommenden Jahren an Fahrt gewinnen. Zudem ist das Land auf dem Weg, seine militärische und wirtschaftliche Supermachtposition um eine technologische Führungsrolle zu erweitern. Wir gehen davon aus, dass der MSCI AC Asia ex Japan Index sein das-Gewinnniveau, welches er vor Covid erreicht hatte, bereits 2021 übertreffen wird, also deutlich vor Europa und etwas vor den USA.

Somit hat China nun bereits zum zweiten Mal (das erste Mal nach der globalen Finanzkrise) der Weltwirtschaft aus einem Konjunkturtal geholfen.

Im Jahr 2021 wird es unserer Meinung nach schwer werden, durch einen Wechsel des Anlagestils Geld zu verdienen. Wir erwarten mehrere kurzlebige Rallys von zyklischen Substanzwerten, da vermutlich einige institutionelle Anleger das recht überfüllte "Wachstums"-Lager verlassen werden wollen, um etwas vermeintlich Neues auszuprobieren. Das Zinsumfeld und das Wirtschaftswachstum werden mittelfristig jedoch wahrscheinlich zu niedrig bleiben, um diese Rallys nachhaltig zu stützen. Wir halten daher vorerst an einer leichten Präferenz für Wachstumswerte fest. Diese profitieren nach wie vor vom weltweiten Vormarsch der Digitalisierung, der durch Covid noch beschleunigt wurde. Dieser Sektor, dessen prominenteste Mitglieder sich weitgehend auf die positiven Netzwerkeffekte ihrer riesigen sozialen Plattformen verlassen können, hat selbst im Jahr 2020 bewiesen, dass er hohe Mittelüberschüsse für seine Aktionäre erzielen kann. Deshalb halten wir an unserem Übergewicht im IT-Sektor fest. Ein großes operationelles Risiko besteht in potenziellen staatlichen (kartellrechtlichen) Eingriffen. China hat erst kürzlich seinen Technologie-Giganten Zügel angelegt. Es bleibt abzuwarten, ob die neue US-Regierung diesem Beispiel folgen wird, oder ob sie ihren eigenen Tech-Giganten erlaubt, weiter zu wachsen – auch um die chinesische Konkurrenz in Schach zu halten. Was den Immobiliensektor betrifft, bleiben wir aufgrund des höheren Anteils von Heim- gegenüber Büroarbeit, sowie der Probleme des stationären Einzelhandels vorsichtig.

Im Jahr 2021 dürfte es weltweit mehrere neue "Green-Deal"[2]-Initiativen geben, die in vielen Sektoren thematische Investitionsmöglichkeiten im Bereich des Klimaschutzes schaffen sollten. Wir haben daher beschlossen, Versorger von untergewichten auf neutral hochzustufen und uns innerhalb des Sektors auf erneuerbare Energien zu konzentrieren. Unser ESG-Team vermeidet Sektoren mit hohen externen Umwelteffekten wie Öl, Rohstoffe und Fluggesellschaften.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis korreliert seit einigen Jahren mit den (inversen) Realzinsen.

Es sprechen zwar viele fundamentale Gründe für ein gutes Aktienjahr. Doch ihre Bewertung hängt mehr denn je an niedrigen Zinsen.

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* Inflationsindexierte Staatsanleihe
Quellen: FactSet Research Systems Inc., DWS Investment GmbH; Stand: 12.11.2020

Bewertungen im Überblick

USA:

neutral (neutral)*

Sollte die wirtschaftliche Erholung in den USA voranschreiten, ohne durch die Pandemie erneut aus der Kurve geworfen zu werden, rechnen wir bereits 2021 mit durchschnittlichen Gewinnen je Aktie über denen von 2019. Wir bevorzugen weiterhin Wachstumswerte, vor allem Technologie, gegenüber Substanzwerten. Viel dürften sich die beiden Segmente allerdings 2021 nicht geben, auch weil wir mit kurzen Rallys der zyklischen Werte rechnen. Negative Realzinsen sind vor allem für die US-Aktien ein wichtiger Treiber.

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Quellen: FactSet Research Systems Inc., DWS Investment GmbH; Stand: 20.11.2020

* Diese Einschätzung ist relativ zum MSCI AC World Index, in Klammern wird die Einschätzung aus dem Vorquartal gezeigt.

**S&P 500

***MSCI AC World Index

Europa:

neutral (neutral)*

 

Europas Aktien dürften aufgrund ihrer höheren Gewichtung von zyklischen Werten und ihres hohen Exportanteils weiterhin von der Erholung Asiens und der USA profitieren. Sollte Europas Wirtschaft den Erholungskurs beschleunigen, könnten Europas Aktien 2021 global sogar vorne liegen. In dem von uns erwarteten Wachstumstempo fällt dieser Region jedoch wieder der Mangel an großen Wachstumswerten auf die Füße. Einzelnen Sektoren, etwa Profiteuren diverser "Green Deals", trauen wir mehr zu.

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Quellen: FactSet Research Systems Inc., DWS Investment GmbH; Stand: 20.11.2020

* Diese Einschätzung ist relativ zum MSCI AC World Index, in Klammern wird die Einschätzung aus dem Vorquartal gezeigt.

**Stoxx Europe 600

***MSCI AC World Index

Japan:

neutral (neutral)*

Eigentlich sind Japans Aktien für eine Wirtschaftserholung aufgrund ihrer hohen Exportquote gut positioniert. Zudem verfügen die Unternehmen über solide Bilanzen, verbessern ihre Unternehmensführung und profitieren von einem verlässlichen politischen Umfeld (der neue Premier gilt als wirtschaftsnah) und einem guten Umgang mit der Pandemie. Dazu kommt Japans geographische Nähe zu China und dem restlichen asiatischen Festland, die gerade jetzt von besonderem Vorteil ist.

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Quellen: FactSet Research Systems Inc., DWS Investment GmbH; Stand: 20.11.2020

* Diese Einschätzung ist relativ zum MSCI AC World Index, in Klammern wird die Einschätzung aus dem Vorquartal gezeigt.

**MSCI Japan

***MSCI AC World Index

Schwellenländer:

neutral (übergewichten)*

Die Schwellenländer sind unser Favorit für 2021, insbesondere Asien. China, Süd-Korea und Taiwan sind insgesamt gut durch die Pandemie gekommen, ohne die staatliche Verschuldung in die Höhe zu treiben. In Chinas neuem 5-Jahresplan dürfte das Bemühen, sich von ausländischer Technologie und Absatzmärkten unabhängiger zu machen, im Vordergrund stehen. Wir erwarten zudem, dass die Region von sich stabilisierenden Rohstoffpreisen, niedrigen US-Zinsen und einem vermutlich nicht weiter erstarkenden Dollar profitieren wird.

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Quellen: FactSet Research Systems Inc., DWS Investment GmbH; Stand: 20.11.2020

* Diese Einschätzung ist relativ zum MSCI AC World Index, in Klammern wird die Einschätzung aus dem Vorquartal gezeigt.

**MSCI Emerging Markets Index

***MSCI AC World Index

Wertentwicklung der vergangenen 12-Monats-Perioden

10/15 - 10/16 10/16 - 10/17 10/17 - 10/18 10/18 - 10/19 10/19 - 10/20
MSCI AC World Index -0,1% 20,8% -2,4% 10,3% 3,1%
MSCI Emerging Market Index 9,3% 26,5% -12,5% 11,9% 8,3%
MSCI Japan Index 3,2% 17,8% -3,6% 9,2% 0,3%
S&P 500 4,5% 23,6% 7,3% 14,3% 9,7%
Stoxx Europe 600 -6,2% 20,6% -5,2% 14,0% -11,4%

Quellen: Bloomberg Finance L.P., DWS Investment GmbH; Stand: 31.10.2020
Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen.

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Zu allen Artikeln

1. TINA: T(here) I(s) N(o) A(lternative); FOMO: F(ear) o(f) M(issing) O(ut) - Furcht, etwas zu verpassen

2. Begriff für politische Maßnahmen, die darauf abzielen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu minimieren, um die Erderwärmung und damit die Auswirkungen des Klimawandels zu minimieren.

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