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Investmentampeln

Investment Traffic Lights
Aktien
Renten
Alternative Anlagen

08.01.2026

Die monatlichen Investment Traffic Lights bieten eine detaillierte Marktanalyse und unsere Sicht auf die Entwicklung der wichtigsten Anlageklassen
 

IN KÜRZE

  • Trotz geopolitischer und politischer Unsicherheiten zeigten die Aktienmärkte 2025 eine beeindruckende Performance. Besonders KI-Investitionen, fiskalische Impulse und robuste Unternehmensgewinne sorgten für positive Trends
  • Dem Jahr 2026 sehen wir mit rationaler Überschwänglichkeit entgegen. Robustes (Gewinn-) Wachstum und eine lockere Geldpolitik bieten positive Voraussetzungen
  • Wir sehen weiterhin KI als zentralen Treiber der Märkte, was aber auch die Konzentrationsrisiken in den Vordergrund stellt – Diversifikation bleibt wichtig 
Porträtaufnahme von Vincenzo Vedda, CIO der DWS

Vincenzo Vedda

Chief Investment Officer

Traffic Light in between two buildings

Übersicht

1. Marktüberblick

1.1 Politische, technische, gespaltene, aber insgesamt großzügige Märkte 

Blicken wir auf das Jahr 2025 zurück, so fällt auf, wie robust die Märkte trotz zahlreicher politischer Turbulenzen waren. Der deutsche Dax, der japanische Topix und die „Magnificent 7“ in den USA legten jeweils mehr als 20 Prozent zu, aber auch der S&P 500 setzte mit 18 Prozent die starke Performance von 2024 fort. Die alte Börsenweisheit, dass politische Märkte kurze Beine haben, wurde damit einmal mehr widerlegt. Zwar sorgte der sogenannte „Liberation Day“ Anfang April zunächst für einen heftigen Einbruch, als die US-Regierung mit drastischen Strafzöllen die internationale Kooperation infrage stellte. Doch die schnelle Kehrtwende in Washington beruhigte die Märkte, die daraufhin selbst weitere politische Unsicherheiten erstaunlich gelassen hinnahmen. Verstärkt wurde die positive Stimmung durch immer ambitioniertere Investitionspläne amerikanischer Großkonzerne für den Ausbau der KI-Infrastruktur. Allerdings zeigte sich im vierten Quartal eine gewisse Ernüchterung: Nicht mehr jede Kooperation wurde gefeiert, und selbst bei den ertragsstarken „Magnificent 7“ tauchte erstmals das Wort „Finanzierungsschwierigkeiten“ auf. Einige KI-Werte beendeten das Jahr bei weniger als der Hälfte ihrer Höchststände – ein Reifeprozess, der zu einer stärkeren Titelselektion führte. 10-jährige US-Staatsanleihen zählten 2025 zu den Gewinnern am Rentenmarkt und erzielten mit einem Gesamtertrag von 6,2 Prozent das beste Ergebnis seit 2020. Der US-Dollar hingegen verlor an Kaufkraft gegen alle der G10 Währungen, was zu einem Rückgang des US Dollar Index‘ (DXY) von über 9% führte, dem schwächsten Jahr seit 2017. 

Auch in Europa prägte die Politik die Märkte. Die Abkehr der Bundesregierung von der Schuldenbremse wurde breit gefeiert und unterstützte die Rallye des Dax auf ein Plus von über 23 Prozent, ebenso wie einen Anstieg der Renditen deutscher Staatsanleihen. In Frankreich sorgten wiederholte Regierungswechsel für Unsicherheit und die Renditen stiegen seit 1999 das erste mal wieder über das italienische Äquivalent. Währenddessen wandelte sich Spanien vom Sorgenkind zum Outperformer: Der Ibex 35 legte um rund 55 Prozent zu, deutlich mehr als der Stoxx Europe 600 mit plus 21 Prozent. Nach Berechnungen des IWF dürfte Spanien 2025 erstmals seit Jahrzehnten ein geringeres Haushaltsdefizit als Deutschland aufweisen – ein bemerkenswerter Wandel, der die Peripherie Europas in neuem Licht erscheinen lässt.

In Japan sorgte die erste Premierministerin der Geschichte für Schlagzeilen. Ihre wirtschaftspolitische Agenda orientiert sich an Shinzo Abe und setzt auf fiskalische Expansion. Das beflügelte den Aktienmarkt, trieb aber auch die Renditen nach oben: 30-jährige japanische Staatsanleihen notieren mit 3,4 Prozent auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten und nähern sich damit deutschen Langläufern an. 

Die Schwellenländer zeigten 2025 eine beeindruckende Entwicklung: Der MSCI Emerging Markets Index legte um mehr als 34 Prozent zu und erzielte damit das beste Jahresergebnis seit 2017. Besonders profitierten die Märkte von einer verbesserten globalen Risikostimmung, der geldpolitischen Lockerung in den USA sowie einer anhaltenden Nachfrage nach Rohstoffen und Technologiegütern. In China blieb das Wachstum zwar unter den langfristigen Erwartungen, doch gezielte staatliche Maßnahmen zur Förderung von Technologie und Konsum stützten die Märkte. Die chinesischen Aktienmärkte konnten sich im Jahresverlauf stabilisieren, auch wenn strukturelle Herausforderungen wie die Immobilienkrise und geopolitische Spannungen weiterhin dämpfend wirkten. 

Auch die Sektortrends spiegelten politische Einflüsse wider: Während Rüstungswerte nach einem starken Jahresauftakt im Herbst deutlich nachgaben, legten Indizes für Wiederaufbau und Infrastruktur im Zuge von Waffenstillstands-Hoffnungen um bis zu 50 Prozent zu. Ob sich dieser Optimismus bewahrheitet, bleibt angesichts der Lage in der Ukraine fraglich.

Bei Rohstoffen war die Entwicklung uneinheitlich. Gold legte um über 65 Prozent zu, Silber sogar um mehr als 145 Prozent – getrieben von geopolitischen Risiken und verstärkten Käufen durch Zentralbanken, die nach dem Einfrieren russischer Dollarreserven ihre Bestände diversifizierten. Privatanleger und institutionelle Investoren folgten angesichts hoher Staatsschulden und Defizite. Öl hingegen gab trotz zahlreicher Konflikte im Nahen Osten und verschärfter Sanktionen gegen Russland um rund 20 Prozent nach – nicht zuletzt wegen der überraschend großzügigen Förderpolitik der OPEC.

Zum Jahresende zeigt sich eine geldpolitische Divergenz: Die US-Notenbank dürfte ihre Zinssenkungen fortsetzen, die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen unverändert lassen, während die Bank of Japan ihre Leitzinsen weiter anheben könnte. 

Dieser Dreiklang unterstreicht die unterschiedlichen wirtschaftlichen Ausgangslagen – und macht globale Diversifikation aus unserer Sicht für Anleger wichtiger denn je.

2. Ausblick und Änderungen   

Getragen von einem konstruktiven Grundton starten wir in das Jahr 2026 unter dem Motto „Rational Exuberance“, oder auch rationaler Überschwänglichkeit. Wir erwarten ein Umfeld, das Risikoanlagen begünstigt: moderates Wirtschaftswachstum, günstige Finanzierungsbedingungen und eine insgesamt neutrale bis lockere Geldpolitik. Die US-Notenbank dürfte die Leitzinsen im Laufe des Jahres schrittweise senken, während wir erwarten, dass die Inflation unter Kontrolle bleibt. Auch in Europa rechnen wir mit stabilen Rahmenbedingungen, unterstützt durch fiskalische Impulse und eine Preisentwicklung nahe dem Ziel der Europäischen Zentralbank. In Asien setzen die großen Volkswirtschaften auf Technologie, steigende Einkommen und Reformen, während Japan fiskalische Maßnahmen vorantreibt. Handelshemmnisse verlieren an Schärfe, auch wenn strukturelle Effekte bestehen bleiben. Für Anleger bedeutet das: selektives Investieren wird wichtiger, große Trends wie Digitalisierung und Energiewende prägen die Kapitalströme, und Gold könnte somit ein bewährtes Diversifikationsinstrument bleiben.

Unser Optimismus für Aktien hält an. In den USA erwarten wir ein freundliches Umfeld, getragen von Gewinnwachstum und Investitionen in Zukunftstechnologien. Auch wenn der KI-Boom Chancen eröffnet, birgt er zugleich Risiken, sollten die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden. Europa bietet ebenfalls Potenzial, unterstützt durch Infrastruktur- und Verteidigungsinvestitionen, während Japan von Reformen profitiert und der Rest Asiens von einer robusten Chip-Nachfrage und wachsendem regionalen Handel. Insgesamt sehen wir zweistellige Renditechancen für Aktien, wobei die hohe Konzentration auf wenige Titel in den USA zur Vorsicht mahnt. Globale Diversifikation bleibt daher unserer Meinung nach ein zentrales Element jeder Anlagestrategie.

Auch Anleihen verdienen Beachtung. Die Devise lautet „Carry-on“: die Vereinnahmung wie wir meinen attraktiver laufender Renditen. Sinkende Inflation und eine unterstützende Geldpolitik schaffen ein scheinbar nahezu ideales Umfeld, auch wenn steigende Staatsschulden das Bild etwas trüben. In den USA erwarten wir Renditen im Zehnjahresbereich zwischen 3,75 und 4,25 Prozent, während mittlere Laufzeiten vom Ende der quantitativen Straffung der Fed profitieren dürften. In Europa rechnen wir mit stabilen Bund-Renditen, wobei ultralange Laufzeiten Potenzial für eine Versteilerung der Zinskurve bieten. Unternehmensanleihen bleiben im Investment-Grade-Bereich neutral bewertet, während wir bei Hochzinsanleihen vorsichtiger sind – die engen Spreads spiegeln Risiken möglicherweise kaum wider. Währungsseitig sehen wir den Dollar gegenüber dem Euro bei rund 1,15 fair bewertet.

Alles in allem erwarten wir ein Anlagejahr mit guten Chancen, insbesondere für Aktien und Unternehmensanleihen. Leichtes Wirtschaftswachstum, solide Gewinnentwicklung und eine weniger restriktive Geldpolitik schaffen ein freundliches Umfeld. KI bleibt ein zentraler Treiber, erfordert aber eine differenzierte Betrachtung, da hohe Bewertungen auch Enttäuschungspotenzial bergen. Wer breit über Regionen und Anlageklassen streut, könnte nicht nur gute Renditen erzielen, sondern auch mit mehr Gelassenheit durch das Jahr gehen.

2.1 Anleihen

Staatsanleihen

Die US‑Notenbank hat am 10. Dezember den Leitzins zum dritten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte auf 3,50-3,75 % gesenkt und gleichzeitig die Bilanzschrumpfung beendet. Mit neuen Käufen sehr kurzlaufender Treasury‑Bills sorgt sie dafür, dass genügend Reserven im System bleiben – das beruhigt die Geldmärkte, ist aber kein Kurswechsel hin zu „lockerer“ Geldpolitik. US-Notenbank-Chef Powell nannte die Entscheidung einen „close call“ und machte klar, dass die Fed in der Datenlücke nach dem Regierungs‑Shutdown sehr vorsichtig agiert. Rückenwind für den Markt kommt strukturell von ausgeweiteten Treasury‑Rückkäufen (Buybacks) und der Rekalibrierung der eSLR‑Kapitalregel[1] (wirksam ab 1. April 2026), die Bank‑Intermediation in Staatsanleihen erleichtert. Wir sehen Renditeanstiege weiterhin als Gelegenheiten zum Nachkaufen, solange die offiziellen Arbeitsmarktdaten die Schwäche der privaten Erhebungen nicht widerlegen und die Fed ihre operativen Schritte behutsam justiert. Groß angelegte Steepener‑Wetten[2] könnten perspektivisch phasenweise an Momentum verlieren.

Die EZB hat im Dezember zum vierten Mal in Folge pausiert, der Einlagenzins blieb bei 2,00%. Die Währungshüter bleiben bei ihrem Meeting‑für‑Meeting‑Vorgehen ohne feste Forward Guidance, was das kurze Ende der Kurve stabilisiert. In diesem Umfeld notiert die 2‑jährige Bundesrendite um 2,15% und damit eher am oberen Rand der jüngsten Spanne. Da die Risikostimmung weiterhin fragil ist und kurzfristig keine klaren Auslöser für steigende Kurzfristzinsen sichtbar sind, bleibt unsere taktische Einschätzung unverändert: Long in 2‑jährigen Bunds ist sinnvoll, aber mit enger Verlustbegrenzung und besonderem Augenmerk auf Inflationsdaten und EZB‑Termine.

Unternehmensanleihen

Im Unternehmensanleihemarkt bleibt Investment Grade aus unserer Sicht der Carry‑Sweet‑Spot. Spreads handeln derzeit nahe unserer Prognosen, so dass wir IG‑Anleihen für laufenden Ertrag für attraktiv halten. Parallel nutzt der Tech‑Sektor den Bondmarkt, um großvolumige Datencenter‑Investitionen zu finanzieren – sichtbar etwa daran, dass die Oracle‑CDS von rund 40 Basispunkte (bps) Anfang 2025 auf zwischenzeitlich rund 155bps gestiegen sind und dass CoreWeave mit B+‑Rating Anleihen zu etwa 12% Rendite platziert. Im High‑Yield‑Segment haben sich die Spreads für unseren Geschmack zu stark eingeengt, so dass wir dort nicht mehr auf der Long‑Seite agieren; eine ausgeprägt negative Wertentwicklung würde aus unserer Sicht allerdings erst deutlich steigende Ausfallraten erfordern. Insgesamt wirkt die Verschuldungslage des US‑Unternehmenssektors als Ganzes betrachtet solide – bemerkenswert angesichts der kräftigen, KI‑getriebenen Investitionen. Die Verbindlichkeiten der Unternehmen außerhalb des Finanzsektors in Relation zum BIP sind bis September 2025 stabil bzw. rückläufig, was den grundsätzlich robusten Fundamentaldaten entspricht.

Währungen

Wir haben EUR/GBP von neutral auf -1 gesetzt. Das britische Pfund (GBP) zeigte sich während der Haushaltsberatungen sehr schwach. Nun ist das Budget für die nächsten fünf Jahre festgelegt und das Ergebnis ist politisch akzeptabler als vorab diskutiert, das Defizit ist weniger gravierend als erwartet. Wirtschaftlich gibt es mehr Reforminitiativen als in der Eurozone, ansonsten steht Großbritannien vor einem ähnlichen Produktivitätsproblem wie der einheitliche Währungsraum. Wir haben eine Long-Position in GBP gegenüber EUR mit einem Ziel von 0,86 eröffnet.

2.2 Aktien

Die Aussichten für globale Aktien bleiben insgesamt positiv. Für den S&P 500 rechnen wir über die kommenden zwölf Monate mit einem zweistelligen Gewinnwachstum. Den Rahmen dafür setzen weitere Zinssenkungen der US‑Notenbank, eine sich schrittweise beschleunigende Konjunktur ohne Rezessionssignal sowie langfristige US‑Renditen, die nach unserer Erwartung unter 4,5 Prozent bleiben sollten. Auch über den mittleren Zeithorizont überzeugt das Gewinnprofil. In den USA erwarten wir ein jährliches EPS‑Wachstum von deutlich über 10 Prozent, während sich weltweit eine robuste Dynamik abzeichnet. Gleichzeitig mahnt die kurzfristige Lage zu Umsicht. Die Bargeldquoten der Fondsmanager sind auf rekordniedrige Niveaus gefallen, der Marktoptimismus ist sehr hoch – beides klassische Kontraindikatoren. Hinzu kommen Risiken rund um die KI‑getriebene Investitionswelle in Rechenzentren: temporäre Überkapazitäten oder zu hohe Investitionsausgaben könnten Rückschläge auslösen, die sich jedoch eher als taktische Einstiegsgelegenheiten erweisen könnten.

USA

In den USA bleiben die Aussichten freundlich, getragen vor allem von ausgewählten Technologie‑Titeln, Versorgern und Banken mit längerer Duration. Die durch KI verstärkte Stromnachfrage – insbesondere aus dem Aufbau von Rechenzentren – wird zum strategischen Thema für Energieversorger und stützt deren Investitions- und Ertragspläne. Im Technologiesegment reicht der Treibermix von anhaltendem Datencenter‑Ausbau über aufwertende Software‑Modelle mit KI‑Funktionen bis hin zu möglichen Upgrade‑Zyklen bei Endgeräten; gleichzeitig sind die Bewertungsniveaus hoch, was die Selektion anspruchsvoller macht. US‑Banken mit langer Laufzeit profitieren von sich verbessernden Nettozinsmargen und soliden Kapitalpositionen und sind taktisch attraktiv. Insgesamt bleibt der Blick konstruktiv, auch wenn die hohe Bewertung einzelner Mega‑Caps und die eingepreisten drei Fed‑Senkungen das Chance‑Risiko‑Verhältnis kurzfristig etwas asymmetrischer machen könnten.

Europa

Europa präsentiert sich mit einer verhalten zuversichtlichen Tonlage. Banken haben sich ordentlich entwickelt und bleiben in ausgewählten großen Namen weiterhin interessant, auch wenn der breite Sektor nicht mehr klar günstig ist. Versorger profitieren strukturell von der Energiewende und fortgesetzter politischer Unterstützung, was ihre Investitionssicherheit erhöht. In der Industrie ist die Produktion noch gedämpft, zeigt jedoch Anzeichen einer Bodenbildung; mit der erwarteten konjunkturellen Aufhellung sollte die Ertragskraft allmählich zurückkehren. Vor diesem Hintergrund hat der Dax unserer Ansicht nach gute Chancen, den europäischen Markt insgesamt zu übertreffen – nicht zuletzt aufgrund eines interessanten Bewertungs‑ und Gewinnprofils für 2026.

Deutschland

Deutschland rückt innerhalb Europas in den Vordergrund. Politische Stabilität, der Start fiskalischer Impulse in den Bereichen Verteidigung und Infrastruktur sowie eine vergleichsweise niedrige Schuldenquote bilden ein tragfähiges Fundament. Mit dem verabschiedeten Haushalt werden erste Stimulus‑Effekte sichtbar, zunächst im Verteidigungsbereich und im Verlauf des Jahres 2026 zunehmend im Infrastruktursektor. Saisonale und technische Rückenwinde verstärken das Bild. Auf Ertragsebene sprechen unsere Erwartungen eines deutlich zweistelligen EPS‑Zuwachses für den Dax, wobei ein Barbell‑Ansatz sinnvoll erscheint: qualitativ hochwertige Wachstumswerte mit robusten Bilanzen werden mit Kandidaten kombiniert, die über eine belastbare Erholungsstory verfügen.

Schwellenländer

In den Schwellenländern sind Halbleiter weiterhin ein zentraler Wirtschaftstreiber. Die asiatischen Hersteller profitieren von der anhaltend hohen Nachfrage entlang der KI‑Wertschöpfungskette, was die Ertragsdynamik insgesamt stützt. Parallel zeigt sich der Rohstoff‑ und Bergbausektor freundlicher. Goldminen überzeugen mit soliden Bilanzen und starkem freiem Cashflow, während die Angebotsseite bei ausgewählten Industriemetallen – etwa Kupfer – durch politische und operative Einschränkungen gebremst wird, was die Preisbalance stabilisiert. Zusammengenommen unterstreicht dies aus unserer Sicht die Attraktivität einer selektiven Schwellenländer-Positionierung mit Schwerpunkt Asien‑Technologie und rohstoffnahen Qualitätswerten.

Japan
Japan profitiert weiter von soliden Lohnsteigerungen und einer lebhaften Tourismusnachfrage, während die Bank of Japan ihren Normalisierungspfad vorsichtig fortsetzt. Das Umfeld bleibt insgesamt konstruktiv, auch wenn eine mögliche Yen‑Aufwertung und die Belastung durch internationale Zölle Gegenwind für Exportwerte bedeuten können. Ein neutraler taktischer Blick erscheint uns vor diesem Hintergrund angemessen; temporäre Schwächen in qualitativ guten Einzeltiteln könnten Gelegenheit bieten, Positionen mit balanciertem Mix aus exportorientierten und heimischen Namen auszubauen.

2.3 Alternative Anlagen

Immobilien

In den USA dürfte sich der seit 2024 zu beobachtende Immobilienaufschwung fortsetzen, getragen von stabilen Renditen und soliden Fundamentaldaten. Ein Rückgang des Neubaus begünstigt vor allem Industrieflächen, lebensmittelorientierten Einzelhandel und Vorstadt-Wohnimmobilien. Wachstumsstarke Regionen im Süden und gebirgigen Westen könnten zusätzlich profitieren. In Europa beschleunigt sich die Erholung trotz Volatilität. Angebotsengpässe und die Rückkehr von Fremdkapital schaffen Chancen für Investoren. Wohnen und Logistik bleiben bevorzugte Sektoren, wobei wir denken, dass operatives Wohnen und Industrieflächen mit mehreren Mietparteien voraussichtlich überdurchschnittlich abschneiden. Potenziale zur Schaffung von Mehrwert bei bestehenden Immobilien ergeben sich vor allem im Wohnbereich sowie selektiv bei Büroimmobilien und Einzelhandel.

Infrastruktur

Gestützt durch Inflationsweitergabe und perspektivisch niedrigere Renditen, die die Kapitalkosten senken, bleiben wir mit Blick auf Infrastruktur konstruktiv gestimmt.

Gold

Gold und Silber setzen ihre Rally fort: Gold erreichte in den Tagen vor Weihnachten mit knapp 4.450 USD/Feinunze ein Rekordhoch, während Silber über 70 USD notierte und damit seit Jahresbeginn über 140 Prozent zugelegt hat. Die Zuflüsse in ETFs hielten nach der Fed-Zinssenkung am 10. Dezember an. Unterstützt wurde die Entwicklung durch eine lockere Geldpolitik, einen schwächeren Dollar sowie Zentralbankkäufe für Reserven und Liquidität – teils als „QE light“ bezeichnet. Unser Ausblick: Edelmetalle bleiben gefragt, getragen von Zinssenkungen, sicherheitsorientierter Nachfrage und struktureller Knappheit bei physischem Silber.

Öl

Öl bleibt unserer Meinung nach schwach: Saisonale Raffineriewartungen und geringe Nachfrage vergrößern das Überangebot. Laut IEA/EIA[3] stiegen Lagerbestände im November auf Mehrjahreshochs, die Terminstruktur rutschte in Contango. US-Aktionen gegen Venezuela sorgen für Schlagzeilen, doch Fundamentaldaten dominieren – WTI pendelt im hohen 50 $-Bereich. Unserer Einschätzung nach bleibt Öl ohne echte Angebotsstörungen eher seitwärts bis weich.

3. Rückblick auf wichtige Anlageklassen

Gesamtertrag seit Jahresbeginn und im vergangenen Monat

Rates

Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige WertentwicklungenQuellen: Bloomberg Finance L.P., DWS Investment GmbH; Stand: 31.12.2025      

4. Taktische und strategische Signale

Die folgende Übersicht veranschaulicht unsere kurz- und langfristige Positionierung

Anleihen

 

Rates
1 bis 3 Monate  
  bis Dezember 2026    
US-Staatsanleihen (2 Jahre)  green circlegreen circle
US-Staatsanleihen (10 Jahre)  green circlegreen circle
US-Staatsanleihen (30 Jahre)  yellow circlegreen circle
Deutsche Bundesanleihen (2 Jahre)   yellow circleyellow circle
Deutsche Bundesanleihen (10 Jahre)   yellow circlegreen circle
Deutsche Bundesanleihen (30 Jahre)   yellow circlegreen circle
UK-Staatsanleihen (10 Jahre)  yellow circle green circle
Japanische Staatsanleihen (2 Jahre)  yellow circle yellow circle
Japanische Staatsanleihen (10 Jahre)  yellow circlegreen circle
Spreads   1 bis 3 Monate bis  Dezember 2026    
Italien (10 Jahre)[4]  yellow circlegreen circle
US-Investment-Grade-Anleihenyellow circlegreen circle
US-HochzinsanleihenHigh Yield (HY)yellow circlegreen circle
EUR-Investment-Grade-Anleihen[4]   yellow circlegreen circle
EUR-Hochzinsanleihen[4]  yellow circleyellow circle
Asien-Unternehmensanleihen  yellow circlegreen circle
Schwellenländer Staatsanleihenyellow circleyellow circle

Besicherte und spezielle Bonds  

1 bis 3 Monate 
bis Dezember 2026 
Covered bonds[5] yellow circleyellow circle
US-Hochzinsanleihen-Kommunalanleihen    yellow circlegreen circle
US-Mortgage-Backed-Securitiesyellow circlegreen circle
Währungen    1 bis 3 Monate 
 
bis Dezember 2026  
EUR vs. USDyellow circlered circle
USD vs. JPYred circlered circle
EUR vs. JPYyellow circlered circle
EUR vs. GBPred circlered circle
GBP vs. USDyellow circleyellow circle
USD vs. CNYyellow circleyellow circle

 

Legende:

Taktische Sicht (1 bis 3 monate)

Die taktische Sicht basiert auf der Kursentwicklung der Anleihen.

green circlePositiver Ausblick

yellow circleNeutraler Ausblick

red circleNegativer Ausblick

 

Strategische Sicht bis Dezember 2026  

  • Bei Staatsanleihen basiert die strategische Sicht auf der Kursentwicklung der Anleihen.

  • Bei Unternehmensanleihen, besicherten und speziellen Bonds sowie Schwellenländer-Anleihen in US Dollar beziehen sich die Signale auf einen optionsadjustierten Spread zu US-Staatsanleihen. Bei in Euro denominierten Anleihen handelt es sich um den Spread zu Bundesanleihen. Die Entwicklung des Spread sowie die Zinsentwicklung bei Staatsanleihen beeinflussen den Anleihewert. Investoren, die rein von der Entwicklung des Spread profitieren wollen, müssen sich gegen das Zinsänderungsrisiko absichern.

  • Die Farben signalisieren das Ertragspotenzial für Long-Only-Investoren.

  • green circlePositives Ertragspotenzial

  • yellow circleDie Gewinnchancen, aber auch das Verlustrisiko sind eher begrenzt

  • red circleNegatives Ertragspotenzial

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