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Gateway to Europe

CIO Special
Europa
Geldpolitik

23.09.2025

Europas Investitionsrenaissance
 

In Kürze:
 

  • Europa könnte seine Investment Attraktivität zurückgewinnen, und Deutschland ist als größte Volkswirtschaft Europas ein mögliches Zugangstor
  • Nach Jahren übermäßiger fiskalischer Zurückhaltung könnten Programme zur Modernisierung der europäischen Verteidigung und Infrastruktur sowie zur Unterstützung der grünen Transformation und der Hightech-Industrie mit niedrigem CO₂-Ausstoß das Investitionsumfeld verändern
  • Wir sehen mögliche Chancen über mehrere Anlageklassen hinweg. Europäische Aktien sind derzeit im Vergleich zu ihren globalen Pendants weiterhin unterbewertet, festverzinsliche Wertpapiere scheinen attraktive Renditen zu bieten, und private Märkte sowie Sachwerte könnten von politisch bedingtem Rückenwind profitieren
Porträtaufnahme von Vincenzo Vedda, CIO der DWS

Vincenzo Vedda

Chief Investment Officer

Europarliament. Flags of the countries European Union
Europäisches Parlament in Strasburg

Seitenübersicht

Europas fiskalischer und regulatorischer Neustart


Europa durchläuft derzeit einen fiskalischen und regulatorischen Neustart, der darauf abzielt, die Verteidigungsfähigkeit zu stärken, die wirtschaftliche Stabilität zu festigen und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit durch Innovationsförderung zu steigern. Die Verwundbarkeiten der Region wurden durch Russlands Invasion in der Ukraine – und zuvor durch die COVID-Pandemie – deutlich. Gleichzeitig treibt der dringende Bedarf an grüner und digitaler Transformation tiefgreifende Veränderungen voran. Europas Wachstum war lange enttäuschend. Das könnte sich nun beginnen zu ändern.

Eines der Ziele Europas ist es, sich als globales Innovationszentrum zu etablieren, gestützt auf seine Führungsrolle in den Bereichen saubere Energie und fortschrittliche Fertigung. Programme wie der Innovationsfonds, Horizon Europe und InvestEU lenken Kapital gezielt in strategisch wichtige Technologien. Das Ergebnis könnte sein, dass nach vielen Jahren übermäßiger (deutscher) fiskalischer Vorsicht eine umfassende Revitalisierung stattfindet, die das bislang schwache Wachstum anheben könnte.

Diese Erneuerungsbemühungen fallen mit zunehmender wirtschaftlicher Unsicherheit in den USA zusammen, wo Handels- und Wachstumsraten voraussichtlich sinken werden. Im Gegensatz dazu steigt Europas Attraktivität als Investitionsstandort – unterstützt durch Initiativen wie die „Savings and Investment Union“, die die Kapitalmärkte der Region vertiefen soll. Internationale Investoren könnten hier neue Chancen über verschiedene Anlageklassen hinweg finden.

1 / Europas erneuerte Attraktivität

1.1  Wirtschaftliche Grundlagen

Dieses Jahr brachte höhere US-Importzölle und Handelsunsicherheit, die das globale Vertrauen erschüttert haben. Doch in Deutschland und Europa haben bedeutende fiskalische und politische Veränderungen stattgefunden. Nach vielen Jahren extremer Vorsicht – insbesondere in Deutschland, der größten Volkswirtschaft des Kontinents – ist die Fiskalpolitik expansiver geworden und neue Investitionsinitiativen wurden gestartet. Wir bewerten diese Entwicklungen positiv. Europas Wachstum dürfte gestärkt und die Attraktivität der Region erhöht werden.

Die erhöhten Staatsausgaben konzentrieren sich vor allem auf Infrastruktur, klimabezogene Investitionen und Verteidigung. Diese fiskalische Expansion markiert einen bedeutenden Wandel, insbesondere in Deutschland, wo eine Verfassungsreform nun Verteidigungsausgaben von der strengen Schuldenbremse ausnimmt. Zusätzlich liegt ein Infrastrukturpaket in Höhe von 500 Milliarden Euro außerhalb des regulären Bundeshaushalts. [1]

Abbildung 1: Starker Anstieg der Staatsausgaben in Europa

P = Prognose Quellen: Bloomberg Finance L.P., DWS Investment GmbH; Stand: August 2025

Trotz steigender Ausgaben erwarten wir ein moderates Inflationsumfeld, unterstützt durch niedrige Kapazitätsauslastung, sinkende Energiepreise und einen stärkeren Euro. Wir prognostizieren, dass die Verbraucherpreisinflation in der Eurozone im Jahr 2026 durchschnittlich 2 % betragen und damit das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) erreichen wird. Dieses Umfeld sollte dafür sorgen, dass die Zinssätze in der Eurozone im Großteil des kommenden Jahres niedrig bleiben. Das größte Risiko für diese Prognose sind steigende Löhne und angespannte Arbeitsmärkte.

Europa dürfte daher einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben, gepaart mit moderater Inflation, fiskalischem Spielraum und einem politischen Umfeld, das vergleichsweise stabil ist – mit starken Institutionen und einem regelbasierten Ansatz, der auch bei politischen Turbulenzen in einzelnen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) Bestand haben dürfte. Im kommenden Jahr könnte das Wachstum in den USA weiter nachlassen, während in der Eurozone der private Konsum – gestützt durch starke Arbeitsmärkte – das BIP-Wachstum anheben und es dem US-Niveau annähern dürfte. Während die Inflation in der Eurozone voraussichtlich zurückgeht, wird die US-Inflation wahrscheinlich hartnäckig bleiben und über dem 2 %-Ziel der Fed liegen (siehe Abbildung 2). Darüber hinaus könnte nach Jahren, in denen die USA eine überdurchschnittliche Performance gezeigt haben und globale Investoren ihre Engagements in US-Vermögenswerte ausgeweitet haben, nun eine Neubewertung stattfinden. Aus fiskalischer Sicht verfügt Europa über stärkere Fundamentaldaten – insbesondere geringere Haushaltsdefizite und niedrigere Schuldenquoten im Verhältnis zum BIP – als die USA, deren Haushaltsdefizit im Jahr 2024 bei 6,9 % lag.[2]

Allerdings hat Europa weiterhin Schwierigkeiten, seinen geopolitischen Einfluss geltend zu machen – wie in einer kürzlich gehaltenen Rede des ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi[3]

Abbildung 2: Europäische Wachstums- und Inflationspfade

P = Prognosen Quellen: Bloomberg Finance L.P., DWS Investment GmbH; Stand: August 2025

1.2 Strukturelle Treiber zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovation

In einer Zeit erhöhter geopolitischer Risiken und zur Bewältigung struktureller Schwächen verfolgt Europa einen strategischen Anpassungspfad. Politische Reformen werden eingeführt, die – bei erfolgreicher Umsetzung – die Wettbewerbsfähigkeit steigern, Innovationen fördern und die Region als attraktives Investitionsziel neu positionieren könnten.

Europas Green Deal Industrial Plan, der Net-Zero Industry Act, der Competitiveness Compass und der Clean Industrial Deal (siehe Tabelle 1 für mehr Informationen) bilden die Grundlage für eine industrielle Beschleunigung im Hightech- und CO₂-armen Bereich. Vereinfachte Genehmigungsverfahren, gezielte Subventionen und weitere regulatorische Maßnahmen könnten die Investitionsrisiken in saubere Technologien senken – von Batterie-Gigafabriken und Wasserstoffzentren bis hin zu CO₂-Abscheidung und Wärmepumpenproduktion.

Europas Ziel ist es, eine globale Führungsrolle in strategischen Technologien und Sektoren zu übernehmen. Der „European Chips Act“ und Deutschlands „Zukunftsfonds“ sind Beispiele für politische Maßnahmen, die bahnbrechende Technologien unterstützen und Innovationen vorantreiben sollen. Gleichzeitig wird Europas Fokus auf technologische Souveränität – von Halbleitern über Künstliche Intelligenz (KI) bis hin zu Biotechnologie – durch neue Regulierungen und öffentlich-private Partnerschaften gestärkt.

Entscheidend ist, dass Europa eine echte Chance hat, sein Innovationsökosystem agiler zu gestalten, bürokratische Hürden zu reduzieren und grenzüberschreitende Forschungs- und Entwicklungs- (F&E)-Kooperationen zu fördern. Zudem könnte die wirtschaftliche Resilienz und Autonomie gestärkt werden – durch Diversifizierung der Lieferketten, Rückverlagerung kritischer Produktionskapazitäten und Sicherung von Rohstoffen, die für die Energiewende essenziell sind.

Parallel dazu zielt das politische Rahmenwerk der EU darauf ab, Europas digitale Infrastruktur und Fähigkeiten zu modernisieren – mit Fokus auf KI, Quantencomputing, 5G/6G-Konnektivität und Cybersicherheitsökosysteme. Das Modell der „doppelten Transformation“ (Twin Transition) könnte Europa an die Spitze der wirtschaftlichen Erneuerung bringen und Investoren eine einzigartige doppelte Dividende bieten: Nachhaltigkeit und digitale Produktivität.

1.3 Finanzierungsmechanismen zur Mobilisierung von öffentlichem und privatem Kapital

Um die Transformation zu finanzieren, setzen die EU und ihre Mitgliedstaaten auf Finanzierungsmechanismen, die öffentliche und private Mittel in bisher ungekanntem Umfang und Tempo mobilisieren sollen. Die Reformen zielen darauf ab, grenzüberschreitende Investitionen zu vereinfachen, Mindeststandards für die Vergleichbarkeit von Insolvenzrechten zu definieren und die Beteiligung am Aktienmarkt zu stärken. Diese Initiativen sollen tiefe Kapitalpools erschließen – insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), Start-ups und insbesondere Scale-ups – und Europas Attraktivität im Vergleich zu den USA und Asien erhöhen.

Die im März 2025 gestartete „Savings and Investment Union“ hat das Ziel, 33 Billionen Euro[4]

Im September 2025 wird die Europäische Kommission zudem einen Rahmen für ein European Savings and Investment Account (ESIA) vorstellen, den EU-Mitgliedstaaten freiwillig nutzen können. Der ESIA soll es den Mitgliedstaaten ermöglichen, leicht zugängliche Anlagekonten für Privatanleger zu schaffen. Darüber hinaus haben sieben EU-Mitgliedstaaten die Initiative „Finance Europe“ gestartet – ein Label für Anlageprodukte, die überwiegend in europäische Unternehmen investieren.[5]

Diese Maßnahmen werden ergänzt durch Aktivitäten der Europäischen Investitionsbank (EIB) und InvestEU, die private Investitionen in Zukunftssektoren absichern sollen, um einen europäischen Finanzmarkt zu schaffen, der langfristige Innovation unterstützt. Auf nationaler Ebene umfasst dies beispielsweise die WIN-Initiative der deutschen Bundesregierung, die mehr Wagniskapital für deutsche Start-ups bereitstellen soll. Auch Blended-Finance-Instrumente kommen zum Einsatz, um privates Kapital in traditionell unterversorgte Sektoren wie grüne Infrastruktur zu lenken.

Europa setzt nicht nur Kapital ein, sondern ist auf dem Weg, ein regulatorisches und institutionelles Umfeld zu schaffen, das Vertrauen, Transparenz und langfristige wirtschaftliche Sicherheit fördert. So wird beispielsweise durch Initiativen wie REPowerEU die Energieunabhängigkeit Europas beschleunigt und gleichzeitig Investitionen in erneuerbare Energien, intelligente Netze und Speichertechnologien freigesetzt.

Politische Initiativen der EU 

Name 

Beschreibung

Inkrafttreten

Institution

InvestEU

EU-Programm zur Mobilisierung von über 372 Mrd. € an Investitionen (2021–2027) für den grünen Wandel, Innovation und soziale Projekte; Konsolidierung bisheriger EU-Finanzinstrumente.

März 2021

Europäische Kommission & Europäische Investitionsbank

Zukunftsfonds (GFF) – Europäischer Investitionsfonds Wachstumsfazilität

10 Mrd. €-Fonds zur Ausweitung der Wachstumsfinanzierung für Start-ups und Scale-ups, mit Fokus auf Innovationssektoren wie Digitalisierung und Clean Tech.

März 2021

Bundesregierung (umgesetzt über KfW, eine deutsche Förderbank, & Europäischer Investitionsfonds)

REPowerEU-Plan

Plan zur Verringerung der EU-Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen und zur Beschleunigung des Ausbaus sauberer Energien, integriert in den EU-Green-Deal-Rahmen.

Mai 2022

Europäische Kommission

Industrieplan für den Grünen Deal („The European Green Deal“)

Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Netto-Null-Industrie der EU zu stärken und den Übergang zur Klimaneutralität zu beschleunigen, indem ein unterstützendes Umfeld für den Ausbau der Clean-Tech-Produktion geschaffen wird. Schwerpunkte: vereinfachte Regulierung, schnellere Finanzierung, Kompetenzentwicklung und offener Handel. Grundlage für Initiativen wie das Net-Zero Industry Act und REPowerEU.

Februar 2023

Europäische Kommission

Europäisches Chip-Gesetz

Stärkt das Halbleiter-Ökosystem der EU, um bis 2030 einen globalen Marktanteil von 20 % zu erreichen, Versorgungssicherheit zu gewährleisten und digitale sowie grüne Transformationen zu unterstützen.

September 2023

Europäische Kommission

Netto-Null-Industrie-Gesetz („Net Zero Industry Act“)

Teil des Industrieplans des Grünen Deals; zielt darauf ab, die EU-Produktion von sauberen Technologien (z. B. Solar, Wind, Batterien, Wasserstoff) bis 2030 auf mindestens 40 % des jährlichen Bedarfs zu steigern, Abhängigkeiten zu reduzieren und Klimaneutralität bis 2050 zu unterstützen.

Juni 2024

Europäische Kommission

Wachstums- und Innovationskapital für Deutschland (WIN-Initiative)

Öffentlich-private Initiative zur Stärkung des deutschen VC-Ökosystems und zur Bindung innovativer Unternehmen in Europa durch Mobilisierung von 12 Mrd. € bis 2030. Ergänzt den Zukunftsfonds.

Angekündigt September 2024

Bundesregierung mit KfW und privaten Partnern

Kompass für Wettbewerbsfähigkeit („Competitiveness Compass“)

Strategischer Fahrplan zur Wiederherstellung der Wettbewerbs-fähigkeit der EU durch Schließen der Innovationslücke, Dekarbonisierung der Wirtschaft und Verringerung von Abhängigkeiten. Enthält Hebel wie die Spar- und Investitionsunion sowie den Clean Industrial Deal.

Januar 2025

Europäische Kommission

Deal für eine saubere Industrie (Clean Industrial Deal)

Umfassender Plan zur Verbindung von Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit mit Fokus auf bezahlbare Energie, Kreislaufwirtschaft, Clean-Tech und industrielle Resilienz. Baut auf dem Grünen Deal auf und ergänzt den Kompass für Wettbewerbsfähigkeit.

Februar 2025

Europäische Kommission

InvestAI

EU-Initiative zur Mobilisierung von 200 Mrd. € für die KI-Entwicklung, einschließlich eines 20 Mrd. €-Fonds für KI-Infrastruktur, um Europas Wettbewerbsfähigkeit in fortschrittlicher KI zu stärken.

Februar 2025

Europäische Kommission

ReArm Europe Plan / Bereitschaft 2030 („Readiness 2030”)

EU-Strategie zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeiten und Verringerung externer Abhängigkeiten durch gemeinsame Beschaffung, Industrieintegration und bis zu 800 Mrd. € Finanzierung.

März 2025

Europäische Kommission

Spar- und Investitionsunion (“Savings and Investment Union”, SIU)

Ziel ist es, die Ersparnisse der EU-Bürger mit produktiven Investitionen zu verbinden, integrierte Kapitalmärkte zu fördern und strategische EU-Ziele wie den grünen und digitalen Wandel zu unterstützen.

Strategie angekündigt

März 2025

Europäische Kommission

Europäisches Spar- und Investitionskonto (“European Savings and Investment Account”, ESIA)

Vorgeschlagen als Teil der SIU, um Privatanlegern ein standardisiertes Konto für langfristigen Vermögensaufbau anzubieten, basierend auf Best Practices und dem UCITS-Rahmen (Undertakings for Collective Investment in Transferable Securities).

Geplant (Konsultationen laufen 2025)

Europäische Kommission

Finance Europe Label

Von Mitgliedstaaten getriebene Initiative zur Schaffung eines Labels für Anlageprodukte, die mindestens 70 % in europäische Vermögenswerte investieren, um private Ersparnisse in EU-Märkte zu lenken.

Vorgeschlagen Juni 2025 (freiwilliger Rahmen, noch kein EU-Recht)

Geleitet von Frankreich & unterstützende EU-Mitgliedstaaten

 

Europäische Kommission, Europäische Investitionsbank (EIB), Deutsche Bundesregierung, KfW, Bloomberg Finance L.P., DWS Investment GmbH; Stand: September 2025

 

2 / Perspektiven für Anlageklassen

3 / Fazit

Europas Denkweise hat sich verändert. Anstatt als innovationsschwach, politisch fragmentiert und vom US-Dynamismus überschattet zu gelten, will sich der Kontinent als strategisches, diversifiziertes und politisch gestütztes Investitionsziel neu positionieren. Im Zentrum dieses Wandels steht Europas Streben nach strategischer Autonomie, ausgelöst durch geopolitische Risiken, Energieunsicherheit und technologische Abhängigkeit. Dies führt zu einem neuen Paradigma wirtschaftlicher Resilienz durch Klimaführerschaft, digitale Souveränität und Diversifizierung der Lieferketten. Zusammen mit erheblicher fiskalischer Schlagkraft und privatem Kapital könnte dies Europa auf einen Pfad der Hightech- und CO₂-armen industriellen Beschleunigung bringen.

Europa entwickelt sich damit zu einem Tor für Kapitalinvestitionen, strategische Innovation und Diversifizierung. Von nordischer Tech-Kompetenz und iberischer Führungsrolle bei erneuerbaren Energien über Nearshoring-Vorteile in Osteuropa bis hin zur industriellen Renaissance in Mitteleuropa nutzt der Kontinent seine regionale Vielfalt. Besonders spannend ist jedoch der regulatorische und politische Neustart in Deutschland, der ein überzeugendes Investment-Case für die größte Volkswirtschaft Europas bieten könnte.

Auch Investoren gewichten europäische Anlagen über das gesamte Kapitalspektrum neu. Von Aktien, die im Vergleich zu globalen Pendants weiterhin unterbewertet sind, und Anleihen mit derzeit attraktiven Renditen bis hin zu privaten Märkten und Sachwerten, die von politisch getriebenen Rückenwinden profitieren