Lehren aus der Brexit-Saga

Chart of the Week

Die Unsicherheit in der Weltwirtschaftspolitik wird zu einer zunehmenden Belastung für die Industrieproduktion und andere Wirtschaftskennzahlen. Warum genau?

Selten war die Verunsicherung in Bezug auf die weltweite Wirtschaftspolitik so groß wie in den vergangenen Monaten. Zumindest legt der von US-amerikanischen Wissenschaftlern berechnete Global Economic Policy Uncertainty (GEPU) Index dies nahe.[1] Die Monatsdaten reichen bis in das Jahr 1997 zurück und basieren auf Zeitungsartikeln aus 20 verschiedenen Ländern. Insbesondere spiegeln sie die relative Häufigkeit einer Reihe von Risikobegriffen wider. Der globale Index bündelt  einen nach Wirtschaftsgröße gewichteten Durchschnitt nationaler Trends.

Natürlich kann man viele methodische Bedenken haben, nicht zuletzt im Hinblick auf die Gewichtung der einzelnen Länder. Der GEPU Index ermöglicht jedoch einige interessante Erkenntnisse, wie unser "Chart of the Week" zeigt. Zwei Dinge stechen besonders ins Auge. Erstens war der Zusammenhang zwischen den Veränderungen der globalen Unsicherheit und der Industrieproduktion zu Beginn des Jahrzehnts eher schwach. Zweitens hat sich das in den vergangenen zwei Jahren stark geändert – nun ist ein Gleichlauf erkennbar. Erst recht, wenn man mit globalen Handelszahlen arbeitet. 

In einem Vortrag bot Michael Saunders von der Bank of England verschiedene Erklärungsansätze dazu an.[2] Insbesondere seit dem ursprünglichen Brexit-Termin am 29. März scheint sich die politische Unsicherheit zunehmend negativ auf die Stimmung und das Investitionsverhalten der Unternehmenslenker ausgewirkt zu haben. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Unternehmen zunächst mit Investitionsverzögerungen, und nicht -streichungen auf die Brexit-Unsicherheiten reagierten. Das wird jedoch mit jeder weiteren Verlängerung schwieriger. Politische Unsicherheiten sind keine Neuheit. Aber je länger diese andauern, desto eher werden Entscheidungsträger dazu übergehen, diese für ihre Investitionspläne als permanent zu betrachten. Das könnte auch dafür sprechen, dass das Risiko der von Donald Trump beschworenen Handelskonflikte – dem zweiten wichtigen Treiber für den Anstieg des GEPU Index – bisher unterschätzt wurde. Denn je länger diese anhalten, desto gravierender könnten die Auswirkungen letztendlich sein. Selbst wenn sich die Kapitalmärkte zwischenzeitlich über kurzlebige Deeskalationen freuen. Unternehmen könnten also die politischen Gefahren für ihre globalen Lieferketten bald als dauerhaft betrachten.

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Quellen: Haver Analytics Inc., DWS Investment GmbH; Stand: 30.10.2019

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