Die EZB und der Euro-Dollar-Kurs

Chart of the Week

So sehr die Zentralbanken Anleihen treiben, so wenig treiben sie Währungen, zumindest kurzfristig. 2020 dürften sie die Märkte ohnehin weniger treiben als 2019.

Auch wenn die Zentralbanken 2019 erneut zu den wichtigsten Treibern der Kapitalmärkte zählten, kann man nicht behaupten, dass der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag entgegengefiebert würde. Bei allem mittelfristigen Tatendrang Christine Lagardes ist ihr kurzfristiger Handlungsspielraum doch stark begrenzt. "Wir rechnen mit keinen Überraschungen, die Geldpolitik der EZB läuft quasi auf Autopilot", sagt Ulrike Kastens, Volkswirtin der DWS. Und weiter: "Die EZB wartet ab und beobachtet, wie und ob die Maßnahmen aus den September-Entscheidungen wirken. Fragen nach negativen Nebeneffekten ihrer Zinspolitik dürften weiter mit Verweis auf die aktuell noch dominierenden positiven Effekte beantwortet werden. Aber man beobachte. Aufgrund der nur schleppenden Bodenbildung der Frühindikatoren dürfte der Ausblick vorsichtig bleiben."

Auch für die US-Zentralbank (Fed) hat Präsident Jerome Powell die Hürden für eine Zinsänderung recht hoch gesetzt. Er dürfte wenig Interesse daran haben, im Wahlkampfjahr kontroverse Zinsschritte vorzunehmen. Wobei bekanntlich selbst eine Beibehaltung des Leitzinsniveaus vom US-Präsidenten schon als kontrovers eingeordnet werden könnte.[1] Trotz Rekordbeschäftigung.

Wenn von beiden Zentralbanken dieses Jahr also weder Zinsschritte noch Überraschungen wie 2019 zu erwarten sind, ist dann generell bei Zinsen und Devisen mit Stillstand zu rechnen? Wohl kaum, aber doch mit weniger Bewegung als 2019. Unser "Chart of the Week" zeigt, wie stark sich der Abstand zwischen den Leitzinsen von Fed und EZB auf die Zinsdifferenz beider Nationen sowohl bei 2- als auch bei 10-jährigen Staatsanleihen auswirkt. Bei passiven Zentralbanken fehlt den Zinsdifferenzen somit ein wichtiger Impuls. Was heißt das für den Devisenkurs? Schließlich muss doch die höhere Rendite auf der anderen Atlantikseite locken? Der Chart zeigt, dass der Gleichlauf mit dem entsprechenden Währungspaar weit weniger zwingend ist, auf Tagesbasis sogar vernachlässigbar.[2] Zudem betrug die Differenz bei 2-jährigen noch Ende 2018 ganze 3,5 Prozentpunkte und ist jetzt erstmals seit Anfang 2018 wieder auf 2 Prozentpunkte gesunken. Was dem Dollar gegenüber dem Euro aber nicht wirklich geschadet hat – im Gegenteil. Kurzum: Um ihren Einfluss auf die Devisenkurse sollten sich die Zentralbanken also kurzfristig kaum Sorgen machen müssen.

20200117_CotW_US GER rate diff_CHART_DE_72DPI.png


* Federal Funds Rate vs. EZB-Refinanzierungsrate

Quellen: Refinitiv, DWS Investment GmbH; Stand: 15.01.2020

1. https://www.bloomberg.com/news/articles/2019-09-18/trump-tweets-fed-powell-fail-again-after-25-point-rate-cut

2. Auf längere Sicht (Monatsdaten über 15 Jahre) liegt der Korrelationskoeffizient zwischen Währung und Zinsdifferenzen jedoch über 0,8, das ist schon deutlich zwingender.

font

CIO View

Diese Website verwendet Cookies zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit. Wenn Sie dieses Feld schließen oder die Nutzung fortsetzen, gehen wir davon aus, dass Sie damit einverstanden sind. Weitere Informationen zu den von uns verwendeten Cookies oder darüber, wie Sie Cookies deaktivieren können, finden Sie in unserem Cookie-Hinweis.

Anderes Land

Anderes Land

Disclaimer

DIE HIER DARGESTELLTEN INHALTE SIND NUR FÜR PROFESSIONELLE ANLEGER BESTIMMT, Z.B. BANKEN, ANLAGEBERATER, PENSIONSFONDS, INVESTMENTFONDS, VERSICHERUNGSGESELLSCHAFTEN UND ÄHNLICHE RECHTSTRÄGER UND SIND NICHT FÜR PRIVATANLEGER VORGESEHEN. MIT DER ZUSTIMMUNG ZU DIESEN BEDINGUNGEN BESTÄTIGT DER NUTZER UND ERKENNT AN, DASS ER IN SEINER FUNKTION ALS PROFESSIONELLER ANLEGER HANDELT ODER EINEN PROFESSIONELLEN ANLEGER VERTRITT UND NICHT ALS PRIVATANLEGER HANDELT.

© 2020 DWS Investment GmbH