Die Realrenditen fallen. Grund zur Sorge?

Chart of the Week

Während die US-Renditen seit Monaten stagnieren, ziehen die Inflationserwartungen wieder an, sodass die Realrenditen sinken. Das verheißt eigentlich wenig Gutes.

So langweilig der Seitwärtstrend der US-Staatsanleiherenditen seit April dieses Jahres auch aussieht, so spannend wird es unterhalb der Oberfläche, wenn man die Rendite in ihre zwei Bestandteile Realrendite und Inflationserwartungen[1] zerlegt.

Die Inflationserwartungen sind in der Corona-Krise zunächst abgestürzt, bevor sie sich dann von ihrem Tief im März kontinuierlich erholten. Aktuell beträgt die implizite Inflationserwartung über 1,6 Prozent über die kommenden zehn Jahre – nur noch knapp unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.[2] Die Realrenditen hingegen haben ihren Rückgang fortgesetzt und ihren bisherigen Rekordtiefststand aus der Finanzkrise sogar noch unterboten – im August standen sie bereits bei minus 1,1 Prozent[3].

Realrenditen sollten nach gängiger Lehrmeinung die Wachstumserwartungen widerspiegeln. Wörtlich genommen würden daher ansteigende Inflationserwartungen in Kombination mit sinkenden Realrenditen die Erwartung des Marktes reflektieren, dass die Wirtschaft in eine Stagflation abgleitet. Mit dieser Interpretation würden wir hingegen vorsichtig sein. Denn die Fähigkeit des Rentenmarkts, den Wachstumspfad vorherzusehen oder überhitzende Volkswirtschaften oder ausgabeüberfreudige Regierungen zu zähmen, wurde zuletzt oft unterminiert. In erster Linie natürlich durch die gewaltigen Aufkäufe durch die Zentralbanken. Dass die Existenz eines Käufers, der keine Kurs- sondern Mengenziele verfolgt, die Preise mindestens verzerren kann, ist wohl unstrittig. Implizit werden so durch die Zentralbankkäufe auch die Realzinsen beeinflusst[4], was ihre Aussagekraft über die Wachstumserwartungen verwässert. Der Realzins wird zum Instrument der Zentralbank, um Konsum und Investitionen zu stimulieren.

Für Investoren, denen die massiven Zentralbankinterventionen Sorgen bereiten, bieten sich inflationsindexierte Anleihen, aber auch Gold als geeignete Instrumente zur Absicherung an, meint Jörn Wasmund, Head of Fixed Income bei der DWS.

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* 10 Jahre Restlaufzeit
** Breakeven-Inflationsrate, abgeleitet aus der Differenz zwischen nominalen und realen US-amerikanischen Staatsanleiherenditen
Quellen: Federal Reserve Bank of St. Louis, DWS Investment GmbH; Stand: 11.08.2020

1. Technisch lassen sich die Inflationserwartungen aus dem Vergleich der Renditen nominaler und Inflations-indexierter Anleihen ableiten.

2. Bloomberg Finance L.P.; Stand: 11.08.2020

3. Bloomberg Finance L.P.; 06.08.2020

4. Ob sie ohne die Käufe positiv wären, sei allerdings dahingestellt.

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