5 Jahre nach Paris, wird klimaneutral investiert?

Chart of the Week

Fünf Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen stehlen CO2-lastige Sachanlageinvestitionen den nachhaltigen Investitionen immer noch die Schau.

Anlässlich des fünften Jahrestags der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens und angesichts der publikumswirksamen Verpflichtung zu Klimazielen von immer mehr Staaten und Unternehmen, bietet es sich an, Plan und Realität zu vergleichen. Ende 2015 stellte der Climate Action Tracker fest, dass die bestehende Politik die Welt bis 2100 um 3,6°C wärmer machen würde als sie in vorindustriellen Zeiten war.[1] Viele Länder verpflichteten sich zwar, ihre politischen Initiativen zu intensivieren, aber es wurde geschätzt, dass dies zu einer Erwärmung um 2,7°C führen würde, ein immer noch wenig wünschenswertes Szenario.[2]

Zum Jahresende 2020 kommt jedoch neuer Schwung ins Thema. So hat sich China zur Klimaneutralität bis 2060 verpflichtet, während der designierte US-Präsident Biden zugesagt hat, dem Pariser Abkommen wieder beizutreten. Darüber hinaus erwägen 127 Länder, auf die 63 Prozent der Emissionen entfallen, CO2-Neutralität anzustreben oder haben sogar bereits entsprechende Gesetze verabschiedet. Zu diesen Ländern zählen die Staaten der Europäischen Union (EU), Südafrika, Japan, Südkorea und Kanada. Optimisten rechnen nunmehr mit einer Erwärmung um 2,1°C, womit das Pariser Ziel von „unter 1,5°C" zumindest in Reichweite käme. Ein gutes Omen für den Klimagipfel 2021 in Großbritannien.

Anhand von Investitionen lässt sich ansatzweise messen, ob den Klimaverpflichtungen entsprechende Taten folgen. Die „Climate Policy Initiative" schätzt, dass 579 Milliarden US-Dollar an Klimafinanzierung von Entwicklungsbanken, Finanzinstitutionen, Regierungen und Haushalten aufgebracht wurden, wobei Unternehmen 183 Milliarden Dollar investierten.[3]

Im Vergleich dazu betrachtet unser „Chart of the Week" die gesamten Investitionen der rund 900 größten Unternehmen weltweit. Eine Analyse der DWS ergab, dass von der gesamten Investitionssumme von zwei Billionen Dollar rund 650 Milliarden Dollar auf die 150 Unternehmen mit den höchsten Klimarisiken entfielen. Diese Investitionen haben eine wirtschaftliche Lebensdauer von etwa 22 Jahren. Das gefährdet nicht nur das Klima, sondern birgt aus Investorensicht die Gefahr, dass die unausweichliche Verschärfung der Politik zu einem erhöhten Abschreibungsbedarf bei diesen Investitionen führt. Während der durch die Pandemie verursachte Einbruch der Ölnachfrage die börsennotierten Ölgesellschaften dazu veranlasst hat, Projekte mit einem Investitionsvolumen von über 54 Milliarden Dollar zu streichen[4] und einige europäische Energieunternehmen sich zu CO2-Neutralität verpflichten, zeigt die Analyse, dass es zur Umsetzung noch ein langer Weg ist.[5] Im Rahmen von Climate Action 100+ erhöhen 545 Investoren (einschließlich der DWS) mit einem verwalteten Vermögen von 52 Billionen Dollar ihr Engagement bei großen Unternehmen.[6] Ab 2021 werden etwa 160 Unternehmen auf der Grundlage ihrer Emissionsreduktionen, Investitionen, Unternehmensführung, Offenlegung und Lobbyarbeit öffentlich bewertet. Dies ist eine Möglichkeit für die Investoren, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, die Großunternehmen dazu zu bewegen, einen größtmöglichen Anteil ihrer Investitionen auf jene vier Billionen Dollar pro Jahr umzulenken, die für eine erneuerbare und ressourceneffiziente Gesellschaft benötigt werden.[7]

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Quellen: DWS Investment UK Ltd Analyse basierend auf GFMA/BCG; Stand: Dezember 2020; Konsumentenpreise Stand November 2019

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