28. Mai 2021 Amerika

Was steckt in den US-Arbeitsmarktzahlen?

Zumindest so viel kann schon gesagt werden: Im Vergleich zu früheren Abschwüngen läuft derzeit an den US-Arbeitsmärkten tatsächlich einiges anders!

Lesezeit

Die monatlichen Beschäftigungszahlen in den USA vorherzusagen ist selbst in normalen Zeiten ein gewagtes Unterfangen.

Wie andere US-Wirtschaftsstatistiken auch, sind Arbeitsmarktzahlen notorisch volatil, schwer zu interpretieren und anfällig für Revisionen. Umfragen werden in den ersten Wochen eines bestimmten Monats durchgeführt, sodass die Daten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits einige Wochen veraltet sind. Während einer (hoffentlich) nur einmal im Jahrhundert stattfindenden Pandemie sollte man daher wohl erst recht nicht zu viel in eine einzelne Monatszahl hineininterpretieren.

Dies dürfte die Umtriebigkeit der Marktkommentatoren im Vorfeld der nächsten Veröffentlichung am Freitag, den 4. Juni, dennoch kaum bremsen. Der Grund für die hohe Spannung: im letzten Monat wurden nur 266.000 neue Stellen geschaffen, erwartet hatte man 950.000.[1] Wichtiger als die Stellenzahl wird jedoch die Frage, wie die Daten (und die Überarbeitungen der Vormonate, einschließlich April) zu längerfristigen Trends passen.

Wie unser Chart der Woche zeigt, war die Covid-induzierte Rezession im Vergleich zu früheren Abschwüngen recht ungewöhnlich.

Wir haben uns dazu die offenen Stellen abzüglich der Arbeitslosenzahlen angeschaut. Mit anderen Worten: wie viele offene Stellen theoretisch verbleiben, wenn Unternehmen ausgeschriebene Stellen sofort mit derzeit als arbeitslos Eingestuften besetzten. Sicherlich unterschätzt dies die zugrundeliegende Flaute auf dem Arbeitsmarkt ein wenig, da Personen, die einen Job suchen, aber derzeit statistisch nicht als Teil der Erwerbsbevölkerung eingestuft werden, nicht berücksichtigt werden (für April hätte dies eine korrigierte Arbeitslosenquote von 9,8 gegenüber 6,1 Prozent ergeben).[2] Die Grafik zeigt den steilen Rückgang im letzten Frühjahr, aber auch die spektakuläre Erholung seither.

20210528_CotW_US Labour Market_CHART_DE_72DPI.png

Quellen: National Bureau of Economic Research, Bureau of Labor Statistics, Haver, DWS Investment GmbH; Stand: 25.05.2021

​Die vielen Stellenangebote passen zu den Berichten über angespannte Arbeitsmärkte. Die aufgestaute Nachfrage konzentriert sich auf bestimmte Waren und Dienstleistungen, in denen nun händeringend nach Beschäftigten gesucht wird. Gleichzeitig liegen die gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungszahlen immer noch weit unter dem Vorkrisenniveau. Dies deutet auf ein Missverhältnis zwischen Arbeitssuchenden und offenen Stellen hin. Das Arbeitskräfteangebot könnte aufgrund des erweiterten Arbeitslosengeldes und anhaltenden Schwierigkeiten in der Kinderbetreuung noch etwas länger eingeschränkt bleiben. Und während sich globale Unterbrechungen der Lieferkette in der Fertigung wahrscheinlich in Kürze normalisieren werden, können durchaus neue, unerwartete Engpässe auftreten. Wie vorübergehend diese und die daraus resultierenden Lohnerhöhungen sein werden, bleibt abzuwarten – und zwar wahrscheinlich weit über die nächsten Beschäftigungszahlen hinaus.

Weitere Themen

24. Sep 2021 ESG

Teller aufessen für besseres Klima

Nahrungsmittelverlust ist ein stark vernachlässigtes Thema. Nicht nur Klimawandel und weltweiter Hunger, auch das Renditepotenzial sollte die Aufmerksamkeit erhöhen.
22. Sep 2021 Makro

Sinn und Unsinn in Pandemiezeiten

Die kurz- und langfristigen Auswirkungen von Covid-19 auf Märkte, Wirtschaft und Prognosen: Was wir bisher wissen

Chart of the Week

Sehen Sie unsere wöchentlichen Updates zum Markt
21. Mai 2021 Schwellenlaender

Schwellenländeranleihen werden erwachsen

Die Furcht vor steigenden US-Staatsanleiherenditen scheinen für Besitzer von Schwellenländeranleihen unbegründet. Sie zeigen sich sogar „erstaunlich“ robust.
Mehr erfahren

1. https://www.ft.com/content/62ac4a64-24ff-44dc-aa28-bbb84986c9b6

2. https://www.bls.gov/news.release/empsit.nr0.htm

CIO View