04. Jun 2021 Makro

Inflation made in China

Die Erzeugerpreise in China könnten im Mai um acht Prozent gestiegen sein. Kaum Grund zur Sorge. Ihr Einfluss auf Verbraucherpreise ist gering. Das weiß die Zentralbank.

Lesezeit
Die Inflationsraten steigen rund um den Globus. Ursachen, Implikationen und Aussichten variieren jedoch von Land zu Land. In China sorgt vor allem der steile Anstieg der Erzeugerpreise (PPI) für Schlagzeilen. Für den Monat April wurden schon 6,8 Prozent gemeldet, verglichen mit -3,0 Prozent vor einem Jahr. Wie einige Frühindikatoren (zum Beispiel die Preiskomponenten der jüngsten Einkaufsmanagerindizes) andeuten, ist in naher Zukunft mit noch höheren Zahlen zu rechnen. Die für den 9. Juni anstehenden Erzeugerpreise für den Monat Mai könnten dabei durchaus die acht-Prozent-Marke überschreiten.

Die Korrelation zwischen PPI und CPI ist seit Jahren rückläufig und liegt aktuell nur noch bei 0,3 (verglichen mit 0,7 noch vor 5 Jahren).

Haupttreiber für die Erzeugerpreise sind die Rohstoff- und Einkaufspreise, die teilweise die starke globale Nachfrage und den Lageraufbau aufgrund der Konjunkturerholung in den USA und anderen Ländern widerspiegeln. Auch angebotsseitige Engpässe treiben die PPI nach oben, wie zum Beispiel Kupfer, das hauptsächlich in Südamerika und Afrika produziert wird, wo die Covid-Pandemie immer noch akut und die Impfungen noch nicht weit fortgeschritten sind. Dazu kommen noch China-spezifische Gründe: So schränkten die Behörden Kapazität und Produktion von einigen Vorprodukten ein, um die inländische Luftverschmutzung zu begrenzen. Steigende Stahlexporte wiederum führten zu weiteren Preisanstiegen am heimischen Markt, genauso wie spekulationsgetriebene Preisspitzen bei Kohle.

Die im Verbraucherpreisindex (CPI) erfassten Verbraucherpreise werden hingegen stark von den Lebensmittelpreisen getrieben, die ganz andere saisonale Muster sowie Basiseffekte aufweisen. Daher sollte es nicht überraschen, dass sich PPI und CPI nicht im Gleichklang bewegen und PPI auch kaum Vorlauffunktion für den CPI hat, wie aus unserem Chart of the Week hervorgeht: Die Korrelation zwischen PPI und CPI ist seit Jahren rückläufig und liegt aktuell nur noch bei 0,3 (verglichen mit 0,7 noch vor 5 Jahren).

20210604_CotW_China Inflation_CHART_DE_72DPI.png

Quellen: Haver Analytics und DWS Investment GmbH; Stand: 04.2021

Bei den Verbraucherpreisen war zuletzt ebenfalls ein Anstieg zu beobachten:

Von negativen Werten im ersten Quartal auf zuletzt 0,9 Prozent im Jahresvergleich im Monat April. Für den Mai rechnen Volkswirte mit einer Zunahme auf 1,6 Prozent. Bis zum Ziel der Zentralbank, das bei 3,0 Prozent liegt, ist es aber noch ein weiter Weg. Dr. Elke Speidel-Walz, Chief Economist Emerging Markets bei der DWS, geht davon aus, dass der Anstieg der Verbraucherpreise im dritten Quartal rund 2,0 Prozent betragen wird, bevor er sich im letzten Quartal des Jahres auf über 3 Prozent beschleunigt, was zu einem Jahresdurchschnitt von 1,7 Prozent im laufenden Jahr führen würde. Dennoch befürchtet sie in China keinen starken Preisdruck. Anders als in vielen Industrieländern gab es im Reich der Mitte weder eine stark expansive Geldpolitik noch große konsumorientierte Fiskalprogramme. Die Kerninflation (ex Nahrungsmittel) bewegt sich auf einem moderaten Niveau.

Wird die PBoC mit einer Straffung auf die steigenden Erzeugerpreise reagieren? Elke Speidel-Walz rechnet nicht damit, solange der Anstieg der Produzentenpreise als temporäres Phänomen angesehen wird und insbesondere die Rohstoffpreise nicht weiter stark anziehen. In so einem Umfeld erscheint es unwahrscheinlich, dass der Anstieg des PPI auf die Verbraucherpreise durchschlagen wird und damit die Zentralbank zum Handeln zwingen würde.

Weitere Themen

24. Sep 2021 ESG

Teller aufessen für besseres Klima

Nahrungsmittelverlust ist ein stark vernachlässigtes Thema. Nicht nur Klimawandel und weltweiter Hunger, auch das Renditepotenzial sollte die Aufmerksamkeit erhöhen.
28. Mai 2021 Amerika

Was steckt in den US-Arbeitsmarktzahlen?

Zumindest so viel kann schon gesagt werden: Im Vergleich zu früheren Abschwüngen läuft derzeit an den US-Arbeitsmärkten tatsächlich einiges anders!

Chart of the Week

Sehen Sie unsere wöchentlichen Updates zum Markt
Mehr erfahren

CIO View