12. Nov 2021 ESG

Was kostet es, das Klima zu retten?

Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, muss der private und der öffentliche Sektor viel Geld in die Hand nehmen. Viel mehr als bisher. Investitionen, die sich rechnen dürften.

Lesezeit

Investitionen in den Klimaschutz erreichten 2019 und 2020 im Schnitt 632 Mrd. US-Dollar. Das klingt zunächst nach einer beeindruckenden Zahl, doch die Schätzung von CPI[1] suggerieren, dass die grünen Investitionen bis 2030 um das Fünf- bis Sechsfache auf über 4 Billionen US-Dollar pro Jahr steigen müssen, damit das 1,5°C-Ziel erreicht werden kann. Woher soll dieses Geld kommen und was sind die Prioritäten bei den Investitionen? 

Welche Fortschritte die Regierungen auf der 26. Klimakonferenz der Vereinten Nationen, auch bekannt als COP26 gemacht haben, lässt sich noch nicht abschließend beurteilen. Zumindest sollte darauf vertrauen können, dass ein breites Spektrum von Unternehmen, Finanzinstituten und der Jugend resolutere Maßnahmen unterstützt. Dem Privatsektor wiederum dürfte eine aktivere öffentliche Politik dabei helfen, selber schneller Investitionen zu tätigen.

Investitionen in den Klimaschutz erreichten 2019 und 2020 im Schnitt 632 Mrd. US-Dollar.

Obwohl die Investitionen in den Klimaschutz zugenommen haben und weitere Initiativen auf der Konferenz angekündigt wurden, warnte der UN-Generalsekretär, es sei eine "Illusion" zu glauben, dass diese Zusagen ausreichend seien.[2]

Fast die Hälfte der bis 2050 erforderlichen Emissionssenkungen wird von Technologien erfolgen müssen, die es derzeit erst auf dem Papier oder als Prototypen gibt.[3] "Mission Innovation"[4] ist eine Initiative von Regierungen, Unternehmen und Investoren, die sich für die Kommerzialisierung und den Einsatz von Technologien der nächsten Generation einsetzt.

Ist- und Soll-Investitionssumme, um Klima zu retten

20211112_CotW_Topic_COP26Capex_CHART_DE.png

* Globale Klimafinanzierungsströme und der geschätzte jährliche Investitionsbedarf allein im Energiesystem bis 2050
Quellen: Climate Policy Initiative (CPI), DWS Investment GmbH; Stand: 5.11.2021

Doch es geht nicht nur um die Begrenzung zukünftiger Emissionen. Da der Klimawandel bereits im vollen Gange ist, werden auch Investitionen zur unmittelbaren Schadensbegrenzung benötigt: Die Investitionen für die Anpassung an physische Klima-Auswirkungen wie Überschwemmungen beliefen sich im vergangenen Jahr auf lediglich 46 Milliarden US-Dollar. Notwendig sind jedoch mindestens fünf- bis zehnmal höhere Investitionen.[5]

Was die Kapitalquellen betrifft, so spielen börsennotierte Unternehmen eine Schlüsselrolle. Goldman Sachs[6] schätzt, dass ein Drittel der zusätzlichen grünen Investitionen von bestehenden börsennotierten Unternehmen kommen könnte, wenn man ihre Bilanz und ihre Mittelgenerierung betrachtet. Dies mag zwar wie eine zusätzliche Belastung für diese Unternehmen klingen, ist aber alles andere als das. Viele umweltfreundliche Projekte haben nicht nur eine positive Kapitalrendite. Wir glauben sogar, dass Unternehmen mit einem hohen oder wachsenden Anteil umweltfreundlicher Einnahmen, Forschungsausgaben oder Investitionen sowohl an der Börse besser als ihre Konkurrenten abschneiden, als auch von niedrigeren Fremdkapitalkosten profitieren sollten. Frühere DWS-Studien[7] haben zudem ergeben, dass Unternehmen, die sich auf fossile Brennstoffe konzentrieren, Shareholder Value vernichten. Es überrascht daher nicht, dass viele Aktionäre die Unternehmen dazu ermutigen, ihren Investitionsausgaben[8] eine grüne Schlagseite zu verpassen.

Welche Rolle spielen die Regierungen bei dieser Herausforderung? Auch wenn wir denken, dass sie Glasgow nicht mit so leeren Händen verlassen werden wie befürchtet, haben sie dennoch eine große Chance verpasst: Viele ihrer Konjunkturprogramme haben der Umwelt geschadet, anstatt sie zu verbessern. Beispielhaft dafür, ist etwa das US-Programm „Build-back-better“[9]. Jetzt muss sich die öffentliche Hand doppelt bemühen, grüne Investitionen aus allen Bereichen des Privatsektors zu fördern.

Weitere Themen

26. Nov 2021 Aktien

US-Quartalsgewinne – zu gut für die Ewigkeit

Im dritten Quartal wuchsen die Gewinne im S&P 500 sehr stark. Im Vergleich zum Vorjahr, aber auch im Vergleich zum Covid-freien Jahr 2019. Jetzt folgt die Normalisierung.
25. Nov 2021 Politik

Koalitionsvertrag

Klimaschutz, Digitalisierung und Realpolitik
Chart of the week

Chart of the Week

05. Nov 2021 Makro

Die Zinsen erhöhen oder besser noch warten?

Die Probleme der globalen Schifffahrt veranschaulichen die Schwierigkeiten, mit denen die Zentralbanken der Welt derzeit zu kämpfen haben.
Mehr entdecken

CIO View