Nachhaltige Erfolgsgeschichten

Die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) beeinflussen unsere Branchenallokation immer stärker.

Ziele zu setzen ist meist einfach – die eigentliche Schwierigkeit besteht darin, diese auch tatsächlich zu erreichen. In den beiden letzten Jahren haben wir nach Möglichkeiten gesucht, die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen (UNO) in unserem Investmentprozess für börsennotierte Unternehmen einfließen zu lassen. Damit sind wir natürlich nicht allein. Überall auf der Welt wurden die Bemühungen verstärkt, Vorgaben und konkrete Ziele für wirtschaftliche Entwicklung, gesellschaftliche Inklusion und einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt zu erstellen und umzusetzen.

Auf der Grundlage der Millenniums-Entwicklungsziele aus dem Jahr 2000 formulierten die Vereinten Nationen 17 Nachhaltigkeitsziele, unter ihnen die Forderung nach bezahlbarer und sauberer Energie (7. Ziel), Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels (13. Ziel) sowie Gesundheit und Wohlergehen (3. Ziel) – in diesen Bereichen konzentrieren sich in der Regel die wichtigsten SDG-Investmentchancen. Um diese 17 SDGs zu erreichen, müssen Regierungen, Unternehmen und Anleger sowie die gesamte Menschheit gemeinsam handeln. Anders als bei den Millenniums-Entwicklungszielen wird in den SDGs ausdrücklich die Privatwirtschaft aufgefordert, Lösungen anzubieten. Viele Unternehmen auf der ganzen Welt berücksichtigen bereits Nachhaltigkeitsmaßstäbe in ihrem Geschäftsmodell. So gehören über 12.000 Unternehmen zu den Unterzeichnern des "Global Compact" der Vereinten Nationen, eines im Juli 2000 vorgestellten weltweiten Pakts zwischen UNO und Unternehmen. Diese Initiative fordert Unternehmen auf, in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsrechte, Umwelt und Korruptionsbekämpfung zehn Prinzipien zu befolgen.

Die Nachhaltigkeitsziele erweitern nun diese Verpflichtung und rufen Unternehmen dazu auf, SDGs in ihr Geschäftsmodell, ihre Innovationen und Investitionen aufzunehmen. In ihrem 2017 verfassten Bericht "Better Business, Better World" (besseres Geschäft, bessere Welt) arbeiteten die 35 Mitglieder der Business and Sustainable Development Commission (BSDC) 60 bedeutende Marktchancen in den Bereichen Lebensmittel und Agrarwirtschaft, Städtebau, Energie und Baustoffe sowie Gesundheit und Vorsorge heraus.[1] Einzelne Beispiele für Geschäftschancen sind die Reduzierung von Lebensmittelverschwendung, neue Agrartechnologien, bezahlbarer Wohnraum, energieeffiziente Gebäude und öffentlicher Nahverkehr, sowie die Entwicklung zirkulärer Geschäftsmodelle.

Alles gut und schön, aber wie lassen sich diese Überlegungen in einen kohärenten Anlageprozess integrieren? Wie unsere Erfahrungen zeigen, verläuft dieser Prozess keineswegs geradlinig. Im Rahmen unserer Analysen haben wir im April 2018 eine Studie veröffentlicht, die auf den 17 SDG-Zielen der UNO basiert. Konkret beschreibt, unsere Studie, wie mit Hilfe einer von uns entwickelten Methodik Nachhaltigkeitsziele berücksichtigt und Chancen und Risiken identifiziert werden können.[2] Im laufenden Jahr wurde diese Methodik weiter verfeinert, um sie noch differenzierter anwenden zu können. Schließlich geht es nicht nur um die Beurteilung der positiven Beiträge eines Emittenten zu den SDGs. Auch etwaige negativen SDG-Beiträge müssen beziffert werden. Mit Hilfe unserer Methodik können wir jetzt ein umfassenderes Bild des Gesamtnettobeitrags eines bestimmten Unternehmens zu den SDGs liefern.

Unser Anlageuniversum für diese Analyse ist der MSCI AC World Index. Bei den in diesem Index vertretenen Unternehmen untersuchen wir, zu welchen Zielen die Produkte und Dienstleistungen eines Unternehmens am meisten beitragen. Im Ergebnis konzentrieren sich die Unternehmensaktivitäten in der Regel auf fünf SDGs, nämlich Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels (einschließlich alternative Energie und Energieeffizienz, 13. Ziel), Bildung (4. Ziel), Gesundheit und Wohlergehen (3. Ziel) sowie nachhaltige/r Konsum und Produktion (einschließlich Vermeidung von Verschmutzung, 12. Ziel). Allerdings ist der Beitrag zu den einzelnen SDGs innerhalb einzelner Branchen sehr unterschiedlich.

Mit Hilfe unserer hauseigenen SDG-Methodik wollen wir "klare SDG-Vorreiter" identifizieren. Im ersten Schritt werden die Unternehmen ausgewählt, die Umsätze in positivem Zusammenhang mit SDGs erzielen. Danach durchlaufen die so ermittelten Unternehmen eine zusätzliche Risikokontrolle. Hier fallen Emittenten mit ernsthaften Problemen entweder bei der ESG-Qualität nach unserem DWS SynRating oder mit Normverletzungen oder Verbindungen zu kontroversen Branchen heraus, sodass die "klaren Vorreiter" übrig bleiben. "Klare Vorreiter" sind also Unternehmen mit dem höchsten Nettobeitrag (d.h. positiver SDG-Beitrag bereinigt um Risikofaktoren, einschließlich Umsätze aus SDG-negativen Aktivitäten).

Unsere Analyse zeigt, dass die meisten Unternehmen ihre Bemühungen auf das 13. Ziel (Maßnahmen zum Klimaschutz) konzentrieren. Hier bestehen allerdings deutliche Unterschiede sowohl innerhalb als auch zwischen einzelnen Branchen. So können wir zwischen positiven bis neutralen Beiträgen bei Kommunikationsdienstleistungen, Immobilien, Grundstoffen und Gesundheit auf der einen Seite und negativen Beiträgen der Branchen Energie und Basiskonsumgüter auf der anderen Seite differenzieren. Die einzigen Sektoren wiederum mit nennenswerten Beiträgen zum 11. Ziel (Nachhaltige Städte und Gemeinden) und zum 3. Ziel (Gesundheit und Wohlergehen) sind die Immobilienbranche bzw. der Gesundheitssektor.

Ein genauerer Blick auf die Ergebnisse unserer detaillierten Analyse zeigt, dass die Subsektoren mit dem höchsten Beitrag zu den SDGs in den Sektoren Gesundheit, Technologie und Immobilien zu finden sind. Dagegen sind die Branchen mit dem niedrigsten Anteil "klarer SDG-Vorreiter" und "SDG-Vorreiter" Energie und Kommunikationsdienstleistungen.

Trotz Normverletzungen bei der Produktsicherheit, die in allen Teilen des Gesundheitsbereichs zu Punkteabzügen beim SDG-Rating führen, finden sich in den Reihen der Subsektoren Pharmazeutika, Biotechnologie & Life Sciences und Healthcare-Services und -Einrichtungen ein hoher Anteil "klarer SDG-Vorreiter" und "SDG-Vorreiter" (81 Prozent bzw. 82 Prozent der Marktkapitalisierung im jeweiligen Subsektor).

Im IT-Sektor ist der Anteil an SDG-Vorreitern in allen drei Subsektoren hoch. Dabei ist festzustellen, dass IT-Produkte in der Regel aus Gründen der Energieeffizienz eingesetzt werden und auf das 13. Ziel (Maßnahmen zum Klimaschutz) ausgerichtet sind; dieses trifft auch für bestimmte Geräte im Halbleiter-Subsektor zu.

Im Subsektor Lebensmittel und Getränke beobachten wir häufig einen geringeren Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen als man vielleicht erwarten würde. Diese Unternehmen leisten zwar einen Beitrag zu den SDGs, ihr Rating ist aber aufgrund ihres per Saldo negativen SDG-Beitrags besonders zum 2. Ziel (kein Hunger) enttäuschend. Im Mittelpunkt des 2. Ziels stehen die Beseitigung aller Formen der Mangelernährung bis 2030 und die Deckung des Nahrungsmittelbedarfs aller Menschen. Das bedeutet, dass einige Unternehmen im Bereich der Basiskonsumgüter bei der Berechnung ihres SDG-Beitrags bestraft werden. Hierzu gehören Unternehmen, die zuckerhaltige Erfrischungsgetränke, Süßigkeiten, Desserts, Rotfleischerzeugnisse und hochverarbeitete Lebensmittel mit einem hohen Anteil ungesunder Nährstoffe (wie Salz, Zucker, Fett) herstellen. Diese negative Einstufung hebt daher in der Regel jeglichen positiven Beitrag zum 2. Ziel auf, zum Beispiel durch mit wenig Zusätzen verarbeitete Milchprodukte, ungesüßten Tee oder Grundnahrungsmittel wie Reis zu produzieren.

Die meisten Unternehmen im Bereich Kommunikationsdienstleistungen haben wenig bis keine positiven SDG-Einkünfte. Auch wenn viele Unternehmen vielleicht bei der ESG-Qualität eine hohe Punktzahl erreichen, werden sie wegen ihres SDG-Beitrags heruntergestuft und erzielen somit bestenfalls das SDG-Rating "D". "SDG-Vorreiter" werden dagegen mit "A" oder "B" bewertet.

Was bedeutet dies alles? Zu den Branchen, die den größten Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen leisten, gehören Gesundheit, Technologie und Immobilien. Bei der Analyse der Subsektoren schneiden vor allem Technologie-Hardware und -ausrüstung, Pharmazeutika, Biotechnologie & Life Sciences und Health-Care-Services und -Einrichtungen sowie die Hersteller von Produkten für Haushalt und Körperpflege besonders gut ab. Darüber hinaus wird deutlich, wie nützlich ein formales Schema ist, um Emittenten mit Hilfe konsistenter Kriterien zu bewerten, die als Grundlage für unsere Sektorallokation und Wertpapierauswahl dienen. Durch die Berücksichtigung von ESG-Informationen im Allgemeinen und SDG-Informationen im Besonderen wollen wir unsere Anlagerisiken minimieren und Anlagechancen nutzen. Damit unterstützen wir nicht zuletzt gesellschaftliche Bemühungen, um im Bereich Klimaschutz und für andere aktuelle Herausforderungen nachhaltige Lösungen zu finden.

Ein etwas anderer Ansatz der taktischen und strategischen Sektorallokation

Unsere eigene SDG-Methodik zeigt große Abweichungen zwischen Sektoren mit dem höchsten Anteil an "SDG-Vorreitern".

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* Prozentualer Anteil der Unternehmen mit den höchsten Ratings "A" oder "B" nach unserer hauseigenen SDG-Methodik
Quelle: DWS Investment GmbH, Stand 17.06.2020

1. Quelle: Business and sustainable Development Commission (Januar 2017). Better Business, Better World

2. https://www.dws.com/de/insights/research-institute/integration-nachhaltiger-entwicklungsziele-in-anlageportfolios/

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