03. Nov 2021 Global

Investmentampeln

Unsere Marktanalyse und Positionierung

  • Aktionäre konnten sich im Oktober über neue Rekordstände und Rekordrenditen freuen
  • Im Anleihebereich sah es weniger freundlich aus, da das Thema Inflation die Zentralbanken früher als erwartet zum Handeln verleitete
  • Auch wenn sich viele Anleger bereits auf die erwartete Jahresendrally freu-en, ist der Gegenwind in einigen Bereichen zuletzt stärker und nicht weniger geworden
Lesezeit

1 / Marktüberblick

Nachdem es im September an den Märkten noch ziemlich turbulent zuging, konnten sich im Oktober wieder die wagemutigeren Investoren auf die Schultern klopfen, die dem mittlerweile schon viele Jahre erfolgreichen Diktum „bei Schwächephasen dazukaufen“ gefolgt sind. Zumindest, wenn es sich um Aktienanleger handelte. Der S&P 500 erzielte eine Gesamtrendite von 7,0 Prozent, sein im bisherigen Jahresverlauf bester Monat. Da sich die europäischen Märkte ebenfalls gut schlugen, verzeichnete auch der MSCI AC World Index seinen stärksten Monat in diesem Jahr. Der S&P 500 knackte im Oktober die 4600er Marke und beendete den Monat auf Rekordniveau, der Euro Stoxx 600 erreichte ein neues Hoch wiederum am ersten November. Der Dax hingegen schloss leicht unter seinem im August erreichten Hoch. Die Exportnation leidet besonders unter der Abschwächung des chinesischen Wirtschaftswachstums, den erhöhten Energie- und Rohstoffpreisen und den Engpässen bei den Lieferketten. Diese Stichworte sollten reichen, um trotz neuer Rekordstände an den Aktienmärkten Investoren an die Herausforderungen zu erinnern, an welche die Wirtschaft und der Verbraucher im Oktober erinnert wurde. Allen voran Lieferengpässe und Preiserhöhungen. Ob Öl, Gas, Strom, Nahrungsmittel oder Baustoffe, viele Preise erreichten neue oder zumindest langjährige Rekordstände (der Preis für den Düngemittelgrundstoff Ammoniak hat sich in einem Jahr vervierfacht, Öl der Sorte Brent hat sich seit Jahresanfang verdoppelt. Insgesamt notieren Industriemetalle und Agrarrohstoffe auf oder nahe ihren Rekordhochs[1]). In Summe führte das zu einer Inflationsrate von 4,1 Prozent in der Eurozone für Oktober, der höchste Stand seit Juni 2008, Spanien erreichte sogar 5,5 Prozent. In den USA wiederum wurde die letzte veröffentliche Inflationsrate, 5,4 Prozent im September, nur einmal in den vergangenen 30 Jahren übertroffen.

spurlos an den Rentenmärkten vorbei, mit Staatsanleihen konnte man, mit Ausnahme briti-scher und sehr langlaufender Titel, im Oktober kein Geld verdienen.

Inflation war somit das beherrschende Thema im Oktober, sehr zum Missfallen der Zentralbanken, die eigentlich von recht ereignislosen Sitzungen ausgegangen waren. Doch sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die US-Federal Reserve (Fed) wurden sowohl von den schnell steigenden Inflationserwartungen (in USA auf 13-, in Deutschland auf 8- Jahreshoch[2]) überrascht, als auch vom Vorpreschen anderer Zentralbanken. So stimmt die Bank of England die Anleger schon seit einiger Zeit auf eine straffere Geldpolitik ein, nachdem die Inflationserwartungen hier so hoch wie zuletzt 1997 geklettert waren, wenn man von einem Ausbrecher in 2008 absieht. Der Markt preist mittlerweile für die Sitzung vom 4. November eine Zinsanhebung von 0,15 Prozent ein. Die Reserve Bank of Australia wiederum hat auf ihrer Sitzung vom 2. November bestätigt, was sie ohnehin schon einige Wochen zuvor praktiziert hat: den Zinssatz für die 2024 auslaufende Anleihe nicht weiter auf 10 Basispunkte zu fixieren. Die Rendite zweijähriger Staatsanleihen war in der letzten Oktoberwoche bereits urplötzlich von 10 auf 70 Basispunkte gestiegen. Die kanadischen Währungshüter wiederum hatten im Oktober ihre Anleihekäufe überraschend beendet und peilen eine früher als erwartete Erhöhung der Zinsen an. So etwas geht natürlich nicht spurlos an den Rentenmärkten vorbei, mit Staatsanleihen konnte man, mit Ausnahme britischer und sehr langlaufender Titel, im Oktober kein Geld verdienen. Auch Unternehmens- und Schwellenländeranleihen taten sich in diesem Umfeld schwer. Endgültig getrennte Wege gingen im Oktober Gold und Kryptowährungen. Konnte ersteres trotz der Inflationssorgen nur um 1,5 Prozent zulegen, konnten zahlreiche Kryptowerte im mittleren zweistelligen Bereich zulegen. 

2 / Ausblick und Änderungen

Steigende Preise und Inflationserwartungen einerseits, sowie schwächere Wirtschaftsdaten (insbesondere rückläufiger Einkaufsmanagerindizes im Oktober in vielen Ländern) bescherten der in den 1970er Jahren zu Prominenz gelangten Wortschöpfung „Stagflation“ einen zweiten Frühling. Dazu sollte man allerdings zwei Dinge anmerken: auch wenn die Inflationsraten derzeit höher ausfallen, und unseres Erachtens noch weiter steigen und länger höher verharren können als vor einigen Monaten noch erwartet, sollten sie in der zweiten Jahreshälfte 2022 unserer Meinung nach wieder deutlich fallen. Noch weiter ist man allerdings beim Thema Wirtschaftswachstum von der Voraussetzung einer Stagflation entfernt. Wir beobachten derzeit eine zwischenzeitliche Verlangsamung eines ansonsten intakten Aufwärtstrends der globalen Wirtschaft. Zwar ruckelt es auf der Angebotsseite noch ziemlich, doch dürfte ein Großteil der dadurch ausfallenden Ausgaben, ob Konsum oder Investition, zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Die Kassen der Verbraucher und vieler Unternehmer sind gut gefüllt, und wahrscheinlich könnte nur der Ausblick auf nachhaltigere Inflationsschübe die Ausgabenfreude trüben. Ein kleines Fragezeichen müssen wir lediglich hinter Chinas Wachstumsausblick machen. Zwar gehen wir trotz eines schwächer als gedachten Jahres 2021 immer noch von Wachstumsraten von über 5 Prozent für 2022 aus, doch können alle Folgen der rigiden Regulierungskampagnen nicht mit Sicherheit quantifiziert werden. Insbesondere, wie sich die strengeren Auflagen im Immobiliensektor auf diese für die Gesamtwirtschaft so wichtige Branche noch auswirken wird.

2.1 Anleihen

Wir gehen davon aus, dass der Rentenmarkt, insbesondere Staatsanleihen, noch so lange weiter von höheren Schwankungen geprägt sein werden, bis die Inflations- und Zinserwartungen von Zentralbanken und Anleger wieder etwas mehr konvergieren. Dem Markt scheint dabei gar nicht so sehr daran gelegen zu sein, dass die Zentralbanken sich besonders expansiv zeigen. Vielmehr wollen die Anleger Sicherheit, auch dahingehend, dass die Währungshüter den Inflationsschüben nicht komplett tatenlos gegenüberstehen. Nach der vom Markt eher restriktiv interpretierten EZB-Sitzung gingen die Renditen am kurzen Ende zwar nach oben, doch gingen gleichzeitig die längerfristigen Inflationserwartungen von ihren Höchstständen wieder etwas runter. Zwar haben sich die Risikoprämien insbesondere der italienischen Staatsanleiherenditen durch die neue Wahrnehmung der Märkte in der zweiten Oktoberhälfte um rund 20 Basispunkte (für 10-Jährige) ausgeweitet. Doch inwieweit die EZB eine Aufrechterhaltung der Staatsanleihekäufe bei einer Nominalrendite von rund einem Prozent für zehnjährige italienische Anleihen bei den gegenwärtigen Inflationsraten weiter verargumentieren kann, wird sich zeigen. Wir sind bei italienischen 10-jährigen Staatsanleihen wieder zurück auf Neutral gegangen. Ansonsten haben wir im Oktober zweijährige Bundesanleihen von Negativ auf Neutral hochgestuft, da die Renditen unseres Erachtens nach zu sehr dem starken Renditeanstieg etwa in Großbritannien oder den USA gefolgt sind, obwohl wir nach wie vor nicht von einer Zinserhöhung der EZB schon im kommenden Jahr ausgehen. Die Tonalität sowie die die Marktreaktion auf die Notenbanksitzungen in den USA (3. November) und Großbritannien (4. November) werden wir mit Interesse verfolgen.

2.2 Aktien

Mit historischen Mustern an den Aktienmärkten ist das ja so eine Sache, insbesondere da auch 34 Jahre aus statistischer Sicht noch keine überzeugende Beobachtungsmenge liefern. Doch der Vollständigkeit halber sei es erwähnt, dass in der Tat seit 1987 das vierte Quartal im Schnitt das stärkste war, und vor allem der Dezember der stärkste Monat ist - die berühmte Jahresendrally, die in den USA sogar schon im November im Schnitt der letzten Jahre schon gut in Fahrt kommt. Allein da so viele Anleger das wissen und davon reden, sollte man es berücksichtigen, und sei es auch nur, weil man eine zum Markt gegensätzliche Position einnehmen möchte. Zumal der Oktober ja schon so gut lief und noch einige heikle Notenbanksitzungen bis Jahresende auf uns warten. Sowie die Ungewissheit, ob der Weihnachtsmann wirklich alle Geschenke rechtzeitig ausliefern kann angesichts der Lieferengpässe. Letztlich sollte man sich auch nicht von dem so oft zitierten starken dritten Quartal beeindrucken lassen, nur weil wieder so und so viele Firmen die Erwartungen geschlagen haben. Zum einen sind die Gewinnsprünge im dritten Quartal vor allem auf den Energiesektor und den Bankensektor (Rückstellungsauflösungen) zurück zu führen. Und zum anderen haben die Analysten ihre Prognosen weder für das laufende noch für das nächste Jahr bisher aufgrund der Berichtssaison sichtbar nach oben korrigiert. Das sollte etwas zur Vorsicht mahnen, auch wenn die Gewinne, ähnlich wie die zuvor genannten Einkaufsmanagerindizes, sich absolut auf einem hohen Niveau befinden. An unseren regionalen und sektoralen Präferenzen haben wir im Oktober nichts geändert.

2.3 Alternative Anlagen

Wir nehmen den gesamten Rohstoffbereich von Positiv zurück auf Neutral, im Wesentlichen aufgrund von zwei Änderungen: Öl haben wir von Positiv auf Neutral, und Gold von Neutral auf Negativ zurückgenommen. Im Energiebereich halten wir das vorsichtige Verhalten der OPEC+ Staaten was die Ausweitung der Produktionskapazitäten angeht für nachvollziehbar, angesichts der kurzfristigen Wachstumsunsicherheiten, welche die Lieferkettenprobleme mit sich bringen könnten. Zudem hat der Iran seine Produktion seit der Wahl von Joe Biden zwar um 0,6 Millionen Fass pro Tag ausgeweitet, doch im Vergleich zu 2018, bevor die US-Sanktionen griffen, werden immer noch 1,3 Millionen Fass pro Tag weniger produziert. Für Gold wiederum sehen wir Gegenwind durch die straffer als vom Markt erwartete Zentralbankpolitik.

3 / Rückblick auf wichtige Anlageklassen

Gesamtertrag seit Jahresbeginn und im vergangenen Monat

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Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen.
Quellen: Bloomberg Finance L.P., DWS Investment GmbH; Stand: 31.10.2021

4 / Taktische und strategische Signale

Die folgende Übersicht veranschaulicht unsere kurz- und langfristige Positionierung.

4.1 Anleihen

Rates

1 bis 3 Monate

bis Sept 2022

US-Staatsanleihen (2 Jahre)    
US-Staatsanleihen (10 Jahre)    
US-Staatsanleihen (30 Jahre)    
Deutsche Bundesanleihen (2 Jahre)    
Deutsche Bundesanleihen (10 Jahre)    
Deutsche Bundesanleihen (30 Jahre)    
UK-Staatsanleihen (10 Jahre)    
Japanische Staatsanleihen (2 Jahre)    
Japanische Staatsanleihen (10 Jahre)    

Spreads

1 bis 3 Monate

bis Sept 2022

Spanien (10 Jahre)[3]    
Italien (10 Jahre)[3]    
US-Investment-Grade-Anleihen    
US-Hochzinsanleihen    
EUR-Investment-Grade-Anleihen[3]    
EUR-Hochzinsanleihen[3]    
Asien-Unternehmensanleihen    
Schwellenländer-Unternehmensanleihen    
Schwellenländer-Staatsanleihen    

Besicherte & spezielle Bonds

1 bis 3 Monate

bis Sept 2022

Covered Bonds[3]    
US-Kommunalanleihen    
US-Mortgage-Backed-Securities    

Währungen

EUR vs. USD    
USD vs. JPY    
EUR vs. JPY    
EUR vs. GBP    
GBP vs. USD    
USD vs. CNY    

4.2 Aktien

Regionen

1 bis 3 Monate[4]

bis Juni 2022

USA[5]    
Europa[6]    
Eurozone[7]    
Deutschland[8]    
Schweiz[9]    
Vereinigtes Königreich (UK)[10]    
Schwellenländer[11]    
Asien ex Japan[12]    
Japan[13]    

.

Sektoren

1 bis 3 Monate[4]

Basiskonsumgüter[14]  
Gesundheit[15]  
Kommunikationsdienstleistungen[16]  
Versorger[17]  
Zyklische Konsumgüter[18]  
Energie[19]  
Finanzwerte[20]  
Industrie[21]  
Informationstechnologie[22]  
Grundstoffe[23]  
Immobilien[24]  

Anlagestil

Nebenwerte USA[25]  
Nebenwerte Europa[26]  

4.3 Alternative Anlagen

1 bis 3 Monate

bis Sept 2022

Rohstoffe[27]    
Öl (WTI)    
Gold    
Infrastruktur    
Immobilien (gelistet)    
Immobilien (nicht-gelistet) APAC[28]  
Immobilien (nicht-gelistet) Europa[28]  
Immobilien (nicht-gelistet) USA[28]  


4.4 Legende

Taktische Sicht (1 bis 3 Monate)

  • Die taktische Sicht basiert auf der Kursentwicklung der Anleihen.
  •   Positiver Ausblick
  •   Neutraler Ausblick
  •   Negativer Ausblick

Strategische Sicht bis September 2022

  • Bei Staatsanleihen basiert die strategische Sicht auf der Kursentwicklung der Anleihen.
  • Bei Unternehmensanleihen, besicherten und speziellen Bonds sowie Schwellenländer-Anleihen in US Dollar beziehen sich die Signale auf einen optionsadjustierten Spread zu US-Staatsanleihen. Bei in Euro denominierten Anleihen handelt es sich um den Spread zu Bundesanleihen. Die Entwicklung des Spread sowie die Zinsentwicklung bei Staatsanleihen beeinflussen den Anleihewert. Investoren, die rein von der Entwicklung des Spread profitieren wollen, müssen sich gegen das Zinsänderungsrisiko absichern.
  • Die Farben signalisieren das Ertragspotenzial für Long-Only-Investoren
  •   Positives Ertragspotenzial
  •   Die Gewinnchancen, aber auch das Verlustrisiko sind eher begrenzt
  •   Negatives Ertragspotenzial

 

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