Nachhaltigkeit

Erneuerbarer Diesel - Von der Fritteuse in den Tank

Wann wird es normal sein, dass Flugzeuge mit Bio-Kerosin fliegen? Wann können wir Biomasse effektiver als Treibstoff für Fahrzeuge und Schiffe nutzen? Unternehmen forschen mit Hochdruck, um einen klimafreundlichen Markt zu erobern.

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Schnell noch ein Stopp im Schnellrestaurant, um auf einer langen Autofahrt mit einem Burger und einer Portion Pommes den Hunger zu stillen. Unbemerkt werden die Fast-Food-Kunden Teil einer Kreislaufwirtschaft. Während sie sich am Drive-in-Schalter bestellen, wird hinten das gebrauchte Frittierfett abgeholt. Ab geht’s in eine andere Art der Raffinerie. 

Mit Hilfe einer speziellen Technologie wird dort aus dem Frittenfett erneuerbarer Diesel, der in die Tanks von allerhand Fahrzeugen wandert – unter anderem denen, die das Frittierfett einsammeln. Mittlerweile ist die Qualität des Kraftstoffs so gut, dass er herkömmlichen Diesel nicht mehr beigemischt werden muss, sondern ihn zu 100 Prozent ersetzen kann.[1] Im Vergleich zu fossilem Diesel sind die Kohlendioxidemissionen 30 bis 80 Prozent niedriger.[2] 

90 %

der global gehandelten Waren und Rohstoffe werden auf dem Seeweg transportiert.

Erneuerbarer Diesel ist eine Antriebsoption zu Lande, zu Wasser und in der Luft

Diese höheren Werte in der CO2-Bilanz werden nach Angaben von Produzenten erreicht, wenn der Recycling-Treibstoff zu 100 Prozent aus Abfall und Reststoffen hergestellt wird. Noch ist das ein Entwicklungsziel, keine Realität. Derzeit schaffen in der Technologie führende Unternehmen[3] eigenen Aussagen zufolge eine Quote von gut 80 Prozent. Um auf 100 zu kommen und gleichzeitig die Qualitätsvorgaben der Endkunden zu erfüllen, müssten demzufolge die Abfallrohstoffe noch besser aufbereitet und gereinigt werden, bevor sie in der Produktion von erneuerbarem Diesel verwendet werden können.

Künftig kommt der Treibstoff aber auch für den weltweiten Flugverkehr[4] und die Schifffahrt in Frage. In Zeiten, in denen kein Coronavirus die Weltwirtschaft lahmlegt, sind kommerzielle Flugzeuge für knapp drei Prozent der Kohlendioxidemissionen verantwortlich.[5] Die Schifffahrt emittiert ebenfalls große Mengen CO2, werden doch 90 Prozent der global gehandelten Waren und Rohstoffe auf dem Seeweg transportiert.[6]

Städtischer Müll und Algen werden zu Treibstoffrohstoffen

Viele Hersteller von erneuerbaren Kraftstoffen arbeiten bereits mit der Luft- und Schifffahrt zusammen, um den Einsatz alternativer Treibstoffe zu testen. Brauchen Schiffe einen besonders schwefelarmen Treibstoff, so können Flugzeugtriebwerke bislang nur eine Beimischung von erneuerbarem Kraftstoff von maximal 50 Prozent tolerieren. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und die globale Klimabilanz zu verbessern, forschen Unternehmen bereits daran, welche weiteren erneuerbaren Rohstoffe sie in ihrer Produktion einsetzen können. Für Flugkerosin sind zum Beispiel Algen und städtischer Müll als skalierbares Ausgangsmaterial vielversprechend.

Entscheidend für den breiten Einsatz alternativer Treibstoffe wird aber auch sein, wie gut die Betreiber von Raffinerien mit den großen Treibstofflieferanten und Bunkerunternehmen kooperieren, um die Verfügbarkeit in Flughäfen, Seehäfen und Großverbraucher-Tankstellen sicherzustellen.

Schon heute sparen erneuerbare Treibstoffe Millionen Tonnen CO2 ein

Ein weiterer Hoffnungsträger ist Lignocellulose, die Zellwand verholzter Pflanzen. Das komplexe Biopolymer ist ein attraktiver Rohstoff für die Herstellung von Kraftstoffen und Chemikalien, doch ist sein Abbau bislang sehr schwierig. Würde ein Unternehmen es schaffen, dafür ein effektives Verfahren zu entwickeln, würde das die kommerzielle Nutzung von Biomasse auf die nächste Stufe katapultieren. Denn bislang werden vornehmlich Früchte wie Gerste und Mais, also potenzielle Lebensmittel, als Rohstoff für Bioethanol eingesetzt – was kontrovers diskutiert wird.

Mit den neuen biobasierten Treibstofftechnologien leisten Unternehmen einen erheblichen Beitrag zu einer verbesserten Klimabilanz. Beispielsweise schätzt einer der führenden Anbieter, dass seine erneuerbaren Produkte die Kohlendioxidemissionen im Jahr 2020 um 10 Millionen Tonnen gesenkt haben. Das entspricht dem jährlichen CO2-Austoß von 3,7 Millionen PKW.[7] 

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1. http://www.biokraftstoffverband.de/index.php/verwendung.html

2. https://www.greenpeace.de/themen/endlager-umwelt/biodiesel-mogelpackung-auf-kosten-der-umwelt

3. https://www.neste.com/products/all-products/raw-materials/renewable-raw-materials#35670934

4. https://www.lufthansagroup.com/de/verantwortung/klima-umwelt/treibstoffverbrauch-und-emissionen/sustainable-aviation-fuel.html

5. https://www.bdl.aero/de/publikation/analyse-der-klimaschutzinstrumente-im-luftverkehr-zur-co2-reduktion/#:~:text=Luftverkehr%20hat%20an%20den%20weltweiten,Anteil%20von%202%2C8%20Prozent.&text=Der%20Verkehrsbereich%20macht%20insgesamt%20fast,CO2%20im%20Stra%C3%9Fenverkehr%20emittiert%20wird.

6. https://de.statista.com/infografik/6034/entwicklung-des-seehandels/#:~:text=Die%20Meere%20sind%20seit%20Jahrhunderten,Handelsvolumens%20auf%20See%20verschifft%20werden.

7. https://www.neste.com/sites/neste.com/files/release_attachments/wkr0006.pdf, Seite 20

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