Nachhaltigkeit

Papier oder Plastik? Tja, wenn das so einfach wäre!

Ohne Plastik geht es nicht, wenn unsere Lebensmittel gut verpackt sein sollen. Doch künftig werden Papier, wiederverwertete und neue Verpackungsmaterialien eine große Rolle spielen.

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Samstags im Supermarkt vor dem Gemüseregal. Verdammt, jetzt sind die wiederverwendbaren Gemüsebeutel zu Hause vergessen worden. Und die meisten Tomaten sind in Plastik verpackt. Wieso eigentlich – haben die Hersteller denn nicht verstanden, dass wir Verbraucher lieber zur Kartonverpackung greifen?

Das haben sie. Aber oft ist die Wahl zwischen Papier und Plastik nicht so einfach. Denn es geht nicht nur um die Art und die Menge des Verpackungsabfalls. Es geht auch darum, dass Nahrungsmittel weniger haltbar sind, wenn sie in Papier oder Pappe verpackt sind. Gemüse wird dann schneller schrumpelig, weil eine Kartonage die Feuchtigkeit nicht so gut hält wie eine Plastikhülle. Obst bekommt schneller Druckstellen, wenn es weniger geschützt auf den Transport geht. Verdirbt Frischware in Papier schneller, bleibt zwar weniger Plastik, dafür aber mehr Essensabfall übrig.

Laut Naturschutzbund wurde 2019 Obst zu 55 Prozent vorverpackt im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt verkauft.

Jeder von uns wirft pro Jahr 17 Kilo Papier, Pappen und Kartons weg 

Laut Naturschutzbund wurde 2019 Obst zu 55 Prozent vorverpackt im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt verkauft. Bei Gemüse waren es 67 Prozent.[1] Pro Jahr und Bundesbürger entstehen so etwa 17 Kilogramm Verpackungsmüll aus Pappe, Papier oder Karton.[2] In einer Welt mit zunehmend knappen Ressourcen sowie einer immer abfallbewussteren Gesellschaft werden künftig nur Verpackungshersteller bestehen können, die Plastik- und Papierverpackungen nachhaltiger gestalten.

Dazu gehört es etwa, möglichst hochwertige Papier- und Kartonprodukte herzustellen. Die müssen einerseits einen nennenswerten Anteil recycelter Fasern wiederverwenden. Andererseits müssen sie im Aussehen und den funktionalen Eigenschaften den Test beim Verbraucher bestehen können.

Plastikverpackungen können leichter gestaltet werden, um Rohstoff zu sparen. Schließlich können viele Lebensmittel statt in einer starren auch in einer flexiblen Verpackung angeboten werden. Und Plastikverpackungen werden auch schon ein ganzes Stück nachhaltiger, wenn sie sortenrein bleiben. Damit können sie leicht in eine Kreislaufwirtschaft integriert und zu neuen Kunststoffverpackungen recycelt werden, die dann wieder für die gleichen Lebensmittel Verwendung finden können.

 

Neue Verpackungsmaterialien stammen aus industriellen Abfallstoffen

Weniger Rohstoffverbrauch entsteht auch, wenn der Recyclinganteil stetig erhöht wird. Beispielhaft ist hier etwa die Brancheninitiative „New Plastics Economy Global Commitment“, das mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen zusammenarbeitet. Einzelhändler und Verpackungshersteller, die diesem Bündnis angehören, haben sich verpflichtet, bis 2025 einen Recyclinganteil von 25 Prozent bei Plastikverpackungen zu erreichen – eine Verzehnfachung der heutigen Quote.[3]

Doch es wird in Zukunft auch darum gehen, neue Verpackungsmaterialien zu entwickeln, etwa aus Abfallprodukten industrieller Produktionsprozesse. Beispielsweise erforschen Papierhersteller gerade Möglichkeiten, wie das Biopolymer Lignin aus Schwarzlauge — ein Nebenprodukt bei der Zelluloseherstellung — extrahiert werden kann. Aus diesem universellen Pflanzenrohstoff können etwa der Aromastoff Vanillin, ein UV-schützender Stoff für Sonnencreme oder eben neuartige Verpackungen gefertigt werden.

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1. https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/ressourcenschonung/einzelhandel-und-umwelt/nachhaltigkeit/20787.html#:~:text=Dabei%20ist%20auch%20zu%20ber%C3%BCcksichtigen,Jahr%202019%20bei%2031%20Prozent.

2. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/03/PD21_132_321.html;jsessionid=3457B84B24EFBBB2618C7C70E6002B46.live732

3. https://www.newplasticseconomy.org/assets/doc/GC-Report-June19.pdf, Seite 11

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